Die Grenzen verschwimmen

Gelsenkirchen. Mit Mathematik als einem von zwei Lehrgebieten hat sich der frisch an die Westfälische Hochschule berufene Prof. Dr. Christian Kuhlmann (52) ein „Stöhnfach“ der Elektrotechnik-Studierenden vorgenommen.
„Ich nehme das als Herausforderung“, so Kuhlmann, „und möchte den Studierenden zeigen, wie man dem trockenen Stoff Spannung abgewinnt und vor allem, dass es nicht nur ein nötiges, sondern auch ein sehr nützliches Fach für die angehenden Elektro-Ingenieure und -Ingenieurinnen ist.“
Ob ihm das gelingen wird, könnten vielleicht die Studierenden am Hochschulstandort Recklinghausen beantworten. Dort hat Kuhlmann bereits seit neun Jahren Informatik und Mathematik gelehrt. Das bedeutet, dass Lehre bisher ein „Nebenjob“ neben seiner hauptberuflichen Arbeit bei einem IT-Beratungsunternehmen war, jetzt sind Lehre und Forschung für ihn die Vollbeschäftigung.
Christian Kuhlmann wurde in Recklinghausen geboren, absolvierte dort die Realschule, machte eine Ausbildung zum Vermessungstechniker und hängte dann erst die Fachhochschulreife und danach am Recklinghäuser Freiherr-vom-Stein-Gymnasium das Abitur an. Nach dem Zivildienst studierte er an der Universität Dortmund Mathematik und Informatik und promovierte an der Ruhr-Universität Bochum in Mathematik zu Themen des „Maschinellen Lernens“, einem Teilgebiet der „Künstlichen Intelligenz“.

Berufliche Folgestation war die IT-Beratungsfirma „adesso“ in Dortmund. Auch dort sammelte er in den vergangenen Jahren Erfahrungen in Projekten zur „Künstlichen Intelligenz“ von Computern, speziell zur automatischen Klassifikation von Dokumenten bei Versicherern. Das will Kuhlmann forschungsorientiert an der Westfälischen Hochschule fortsetzen: „Bei der Nutzung von Suchmaschinen und Online-Shops haben wir uns längst daran gewöhnt, dass die Systeme wie von Geisterhand Begriffe ergänzen und individuell Produkte vorschlagen. Dahinter stecken häufig selbstlernende Systeme, die sich aus Erfahrung ständig selbst verbessern. Solche Systeme können in vielen Bereichen der Industrie großen Nutzen bringen, insbesondere in der Elektrotechnik.“ Das könnte beispielsweise im Rahmen der Energiewende zum Zuge kommen, wenn Steuerungsrechner so schlau sind, selbst herauszufinden, wo sie im Stromnetz Ergänzungskraftwerke hochfahren, um Versorgungslücken zu schließen, wenn Windstille ist und die Sonne nicht scheint.
In den kommenden Jahren will Kuhlmann intensiv an der Fortentwicklung des Gelsenkirchener Studiengangs Elektrotechnik mitarbeiten: „Das Berufsbild des Elektroingenieurs wandelt sich. Die Grenzen zu verwandten Fächern wie etwa der Informatik sind in den vergangenen Jahren zunehmend verschwommen. Das wird sich im Rahmen des Zukunftsprojektes ‚Industrie 4.0’ sicherlich noch fortsetzen.“
Christian Kuhlmann ist verheiratet, hat zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren und spielt in seiner Freizeit Klavier. Damit ist er in Recklinghausen unter anderem in der Gastkirche zu hören.

Foto: Westfälische Hochschule

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