Die Krawatte darf in der Schublade bleiben

Es gibt Dinge, die eine angehende Bankkauffrau beziehungsweise ein angehender Bankkaufmann lernt, noch bevor sie oder er die erste Überweisung tätigt: Wie man sich in Bank anzuziehen hat. Da galt seit Jahrzehnten die eiserne Regel: Männer im Anzug mit Krawatte, Frauen im Business-Outfit. Galt? Genau. In der Volksbank Ruhr-Mitte hat jetzt ein neuer Dresscode Einzug gehalten.

Dafür gesorgt hat nicht etwa der Vorstand – vielmehr ist die Idee aus den Mitarbeitern heraus entstanden, genau gesagt aus dem „CultureLab“. Dabei handelt es sich um einen Kreis von (meist leitenden) Mitarbeitern, die sich Gedanken um die Unternehmenskultur der Bank gemacht haben. Dabei tauchte schnell die Frage auf, ob standardisierte Berufskleidung noch zeitgemäß sei – denn auch Kunden hatten den „klassischen“ Bankerlook schon seit einiger Zeit infrage gestellt. Vera Bleker etwa leitet die „VB-Next“-Filiale in Herten, die sich die Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben hat, und dort hätten sich Kunden gewundert: „Wie, ihr lauft selbst hier mit Anzug und Krawatte herum?“

Aus diesem Grund begannen die Mitglieder des „CultureLab“ im vergangenen August eine Diskussion, die jetzt in eine neue Kleidervorschrift mündete, die seit Anfang der Woche gilt. Was bereits auf den ersten Blick erkennbar ist: Die Krawattenpflicht für Männer ist aufgehoben, und auch die Hose muss nicht mehr aus dem gleichen Stoff wie das Sakko sein. Das heiße aber nicht, dass es keine Regeln mehr gebe, erklärt Benedikt Hartmann, ein Mitglied der Arbeitsgruppe. „Jeans sind nach wie vor tabu“, erklärt er, „und allzu bunt sollten die Hosen auch nicht sein. Dafür dürfe jetzt etwa ein Feinstrickpullover übers Hemd gezogen werden, bei Hemden seien im Sommer auch kurze Ärmel erlaubt.

Eine Seite im Intranet der Bank informiert die Mitarbeiter über die neuen Richtlinien. Beispielfotos zeigen, was geht – und was nicht geht. Frauen etwa haben jetzt mehr Wahlfreiheit beim morgendlichen Griff in den Kleiderschrank. „Jeans sind bei Frauen erlaubt“, erklärt Jutta Seewald vom „CultureLab“ – allerdings auch nur in dezenten Farben. Beim Schuhwerk haben die Damen traditionell mehr Auswahl als die Herren: Während bei denen der klassische Lederschuh alternativlos ist, dürfen Frauen auch Sandalen (aber keine Flip-Flops!), Ballerinas oder Stiefel tragen. Für alle gilt: Turnschuhe sind tabu.

„Unsere Kolleginnen und Kollegen freuen sich über die neuen Regelungen,“ erklärt Vera Bleker , „einmal, weil sie lockerer sind, aber vor allem, weil sie damit klare Regeln an die Hand bekommen, an die sie sich halten können.“ Denn: Festgeschriebene Regeln gab es vorher nicht, lediglich von Generation zu Generation überlieferte Gewohnheiten.
Und was passiert mit Mitarbeitern, die sich nicht an den Dresscode halten? „Nach Hause geschickt wird niemand“, beruhigt Benedikt Hartmann. Aber es sei Aufgabe des Vorgesetzten, den Angestellten taktvoll auf die Richtlinien hinzuweisen. Etwa so: „Das steht Dir richtig gut, was Du da trägst – aber es passt nicht in eine Bank.“

Und was die Krawatte angeht: Ganz verzichten will man auf sie auch nicht – je nach Kunde kann der Schlips angemessen sein. „Man(n) kann sie ja in der Schublade aufbewahren“, schmunzelt Benedikt Hartmann.

Foto: Volksbank

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