„Eine der schönsten romanischen Kirchen, die es überhaupt gibt"

Buer. Das war wahrlich kein leichter Job für Dieter Kutzborski: Buers stellvertretender Bezirksbürgermeister musste sich etwas strecken und sich sichtlich mühen, als er am Sonntag mit drei langen Schrauben die offizielle Denkmalschutzplakette in einem offiziellen Akt an der St.-Ludgerus-Kirche anbrachte. In seiner kurzen Ansprache zeigte sich Kutzborski überzeugt, dass „auch in Zeiten der Groß-Pfarreien, in Zeiten wo man viel über die Zukunft der Kirchen diskutiert“, die Gemeinde „für diesen Stadtteil ihre besondere Bedeutung behalten“ müsse. Mit Blick auf das Motto des Denkmalstags „Entdecken, was uns verbindet“, sagte der Kommunalpolitiker „Kirche verbindet und St. Ludgerus wird auch nach dem Ende des Bergbaus die Menschen hier in der Gemeinde weiter verbinden.“ Ludgerus sei „eine wunderbare Kirche, ein Gebäude, das in die Umgebung ausstrahlt, ein sichtbar gemachtes Glaubenszeugnis“. Es sei ihm eine besondere Ehre, „mit Ihnen gemeinsam, die offizielle Denkmalschutzplakette am Gebäude anbringen zu dürfen“.

Wie stolz die Mutterpfarrei St. Urbanus über die 1915 eröffnete Kirche an der Horster Straße einmal wahr, führte Ludger Klingeberg aus dem ehrenamtlichen Gemeindeleitungsteam mit einem Zitat aus der Chronik vor Augen: „Dieses Werk ist in zweifacher Beziehung eine ganz hervorragende Leistung. Erstens dadurch, dass es trotz des Krieges schneller vollendet wurde als irgend eine andere Kirche Buers – mehr als die Hälfte der Bauzeit fiel in die Zeit des Weltkriegs – und zweitens dadurch, dass dieser einzige romanische Gottestempel unseres Stadtbezirks ein Werk vollendeter architektonischer Schönheit ist. Sie muss zu den schönsten romanischen Kirchen gezählt werden, die es überhaupt gibt, und würde auch der größten Kunststadt zur Zierde und Ehre gereichen.“

Die Ludgerikirche wurde bereits im Juli 1992 als erste Kirche in Buer in Ihrer Gesamtheit als Baudenkmal in die Denkmalliste eingetragen. Bereits 1978 hatte der Landeskonservator die hierfür notwendige Inventarisierung durchgeführt. Nach einem Ratsbeschluss vom April 1986 fand schließlich 1989 die abschließende Begutachtung durch das Westfälische Amt für Denkmalpflege statt, wobei an der Denkmaleigenschaft der Kirche keinerlei Zweifel aufkamen.

Die St.-Ludgerus-Kirche wurde 1915 als zweite Kirche in Buer nach den Plänen des Kölner Architekten Georg Spelling im neoromanischen Stil einer Basilika, der für Buer neuartig war, fertiggestellt. Die Notwendigkeit des Kirchenneubaus stand in Zusammenhang mit der Umstrukturierung der Bevölkerung im Südwesten Buers. Bedingt durch die Kohleförderung auf der Schachtanlage Hugo kam es zu einem enormen Bevölkerungsanstieg und somit zum Bau der Siedlung Düppelstraße und Schüngelberg sowie der Siedlung an der Hugostraße, die ein katholisches Kirchengebäude in der Nähe von Arbeits- und Wohnplatz erforderten. Als einzige Kirche in Gelsenkirchen verfügt St. Ludgerus noch über seine historischen Kirchenfenster aus seiner Entstehungszeit: 17 äußerst sehenswerte Fenster des Künstlers Franz Xaver Reuter haben den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden.

In der Begründung der Denkmalbehörde, aus der Kutzborski zitierte, heißt es, die Kirche sei „bedeutend für die Geschichte der Menschen und der Ortsgeschichte Buers. Die städtebauamtliche Bedeutung liegt in der dominanten Lage des Gebäudes an der Horster Straße, wo es charakteristisch aus dem Stadtbild hervortritt.“ An der Erhaltung und Nutzung des Gebäudes und seinen charakteristischen Merkmalen bestehe ein öffentliches Interesse im Sinne des Denkmalschutzgesetzes.

Zuletzt erfolgte im Jahr 2002 in Abstimmung mit der Denkmalbehörde die grundlegende Renovierung und Neuordnung des Innenraumes. Es sollte ein veränderter und zeitgemäßer Ort der Feier, der Versammlung und der Gemeinschaft entstehen. Die historische Kirche hat damit den modernsten liturgischen Raum im Stadtgebiet, der damit den sogenannten Communio-Gedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils umsetzt.

Zum Tag des Offenen Denkmals war die sonst außerhalb der Gottesdienstzeiten verschlossene Kirche erstmals für zehn Stunden geöffnet. Mehr als 350 Besucher erkundeten das neuromanische Gebäude, nahmen an einer sieben Kirchenführungen zur Baugeschichte und Gestaltung des Kirchenraumes oder nutzen die Gelegenheit zur Kirchsturmbesteigung. Eine Ausstellung mit rund 100 historischen Fotografien dokumentierte die mehrfache Umgestaltung des Innenraumes Kirchenraumes über den Zeitraum eines Jahrhunderts und zeigte Impressionen aus dem Stadtquartier Buer-Hugo. Musikalische Mediationen rundeten das Programm ab.

Foto: Spernol

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