Lebensbegleitung, nicht Sterbebegleitung

Diese Frage bekommt Anne Schwieger ganz oft gestellt, wenn sie von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit erzählt: „Ist das nicht furchtbar belastend?“ Die Antwort darauf ist ein klares Nein. „Im Gegenteil, es macht großen Spaß“, sagt Anne Schwieger und beantwortet auch eine weitere häufig gestellte Frage: „Man muss auch nicht ständig weinen.“

Die Bueranerin Anne Schwieger engagiert sich beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Emscher-Lippe (AKHD). Ihre Aufgabe, so heißt es zumindest offiziell und ein wenig sperrig, ist die Begleitung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzenden Erkrankungen sowie deren Eltern und Geschwister.

Ganz konkret kümmert sich Anne Schwieger um die Geschwister von Angelina aus Bismarck. Das dreijährige Mädchen kam mit einem seltenen Gendefekt zur Welt: Ihr Gehirnwachstum ist reduziert, sie leidet an einer nicht-therapierbaren Epilepsie. Anne Schwieger begleitet die beiden Geschwister und verbringt Zeit mit ihnen, um die Familie zu entlasten. Eine weitere Ehrenamtliche kümmert sich um Angelina selbst. Angelinas Mutter Irena bekam von einem Kinderhospiz den Tipp, sich an den AKHD zu wenden, seit einem halben Jahr bekommt sie nun Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Sie lobt die unbürokratische und gute Hilfe.

„Die Art der Unterstützung kann ganz vielfältig sein“, sagt Kira Benz, Koordinatorin beim AKHD. In der Regel sind die Ehrenamtlichen einmal wöchentlich für einige Stunden vor Ort in der Familie, lesen vor, gehen spazieren, verbringen einfach ein wenig Zeit mit dem kranken Kind. Oder mit den Geschwistern und Eltern. „Manchmal kann es auch einfach sein, dass eine Mutter oder ein Vater, die sich rund um die Uhr um ihr Kind kümmern, mal einen anderen Erwachsenen um sich haben wollen, um ein bisschen zu reden“, sagt Kira Benz.

Das Thema „Tod“ spiele da gar keine so große Rolle, sagt sie. „Wir verstehen uns als Lebensbegleiter“, sagt sie, „nicht als Sterbebegleiter.“

Seit 2013 gibt es den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Emscher-Lippe. Er ist Teil des Deutschen Kinderhospizvereins, der 1990 von betroffenen Familien für betroffene Familien gegründet wurde. Der Verein betreibt bundesweit mehr als 20 ambulante Kinder- und Jugendhospizdienste. Sitz des AKHD Emscher-Lippe ist Gladbeck, zuständig ist er für Familien unter anderem in Gladbeck, Gelsenkirchen, Dorsten, Bottrop, Dinslaken, Voerde, Hünxe, Schermbeck, Oberhausen und Raesfeld.

Der Verein ist immer auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die ein paar Stunden ihrer Freizeit für eine gute Sache opfern wollen. Wer sich den Kontakt zu kranken Kindern nicht zutraut, kann auch in der Büro- und Öffentlichkeitsarbeit tätig sein.
Im September dieses Jahres startet ein neuer Kurs für Ehrenamtliche. Wer Interesse daran hat, sollte sich den Termin für eine Informationsveranstaltung merken: Sie findet statt am Dienstag, 30. Juli, 18.30 Uhr in der Gaststätte „Goldener Anker“ in Dorsten, Lippetor 4. Wem der Name des Restaurants bekannt vorkommt: Inhaber ist der bekannte Fernsehkoch Björn Freitag, der Schirmherr des AKHD ist und gerne seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Weitere Infos unter (02043) 9872740 oder im Internet: www.akhd-emscher-lippe.de

Foto: Heselmann

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