Lego in der Kirche: Ausstellung als Baustelle

Von Boris Spernol

Kinder, Jugendliche und Erwachsene können bei „#1000 Steine“ in St. Ludgerus selbst Bibelgeschichten darstellen. Das Jugendpastorale Zentrum (JuHU) freut sich über viele Gäste – auch aus anderen Städten.

Beim „Turmbau zu Babel“ wollen alle mitmachen. Alt und Jung setzen nach dem Eröffnungsgottesdienst Stein für Stein. Einen roten Legostein, versehen mit dem eigenen Namen. Das Bauwerk im Eingangsbereich der St.-Ludgerus-Kirche versteht sich als ein Gästebuch und soll in den nächsten Wochen erheblich wachsen – genauso wie die gesamte Ausstellung mit dem Titel „#1000 Steine“. Zu sehen sind bereits die Oster- und Weihnachtsgeschichte in 15 Stationen in Legosteinen. 14 weitere Stationen sollen die Besucher nun dazubauen.

 

1000 Steine – das klingt monumental. Und doch ist dies eine klare Untertreibung, wie sich auf einen Blick leicht erahnen lässt: Im Halbrund des Chorraums reiht sich Kiste an Kiste. Mit Legosteinen. Farbig sortiert. „Das sind rund 50.000 Steine“, hat Ludger Klingeberg vom JuHu hochgerechnet. Gut die Hälfte sind gekauft, die anderen Spenden.
„Wir sind gespannt, ob wir damit überhaupt hinkommen, oder ob wir noch einmal nachlegen müssen“, sagt er.

Mitinitiator Nils Schultz, der in der Kirche gleichsam als Bauleiter dient, verdeutlicht: „Wir haben da ja keine Erfahrungswerte, das müssen wir uns jetzt alles zusammen erarbeiten. Am Ende sind wir schlauer“, sagt er, der zusammen mit seinen Mitstreitern schon gut ein Jahr an dem Projekt ehrenamtlich gearbeitet hat. Allein schon das Sortieren der Steine hat weit mehr als 100 Stunden gedauert. „Davon macht man sich ja keine Vorstellung, was das bedeutet“, sagt der 25-Jährige. Und er lächelt zufrieden.

Auf dem Katholikentag in Münster hatte er voriges Jahr die Osterausstellung gesehen, die das Dekanat Hellweg präsentierte. Und er erfuhr dann im Gespräch, dass noch eine weitere existiert. Beide Ausstellungen sind bundesweit begehrt. In St. Ludgerus sind sie nun erstmals zusammen zu sehen. „Uns war schnell klar, dass das etwas für uns ist“, sagt Schultz. „Für uns war aber auch klar: Zu Lego gehört auch immer das Machen, das Bauen. Und deswegen haben wir uns überlegt, 14 eigne Stationen anzubieten.“ Dazu findet in den nächsten vier Wochen nach der Sonntagsmesse jeweils ein offenes Bauen in der Kirche statt. Außerdem können sich Gruppen für Termine anmelden. Zahlreiche Anmeldungen gebe es schon – auch aus anderen Städten.

„Wir haben Material zum Erschließen der Bibelstellen, die wir uns herausgesucht haben. Zuerst wird die Bibelstelle gelesen, damit wir mit den Teilnehmern herausfinden können, was da für Elemente drinstecken, die wir darstellen können. Und die Leute entwickeln daraus ihre eigenen Ideen. Da machen wir keine engen Vorgaben, das ist ja auch ein kreativer Prozess.“

Bei der Szene „Die Taufe Jesu“, die an diesem ersten Tag entsteht, ist für die Kinder schnell klar: Wir brauchen den Jordan, als Wasser. Wir brauchen einen Jesus. Eine Station ist fertig, „wenn die Leute sagen, sie ist fertig“, sagt Nils Schultz. Die Kreativangebote richten sich an Kinder ab dem dritten Schuljahr, Jugendliche und Erwachsene. Außerdem gibt es ein spezielles Angebot für Kindergarten-Gruppen. Anmeldungen gibt es schon aus dem gesamten Bistum. „Wir hoffen, dass so eine andere Art der Auseinandersetzung mit biblischen Geschichten möglich wird. Als niederschwelliges Einstiegsangebot. Einen Versuch ist das doch wert“, sagt Schultz.

Am 1. Juli werden die beiden Hellweger Ausstellungen abgebaut. Sie wandern weiter. Was mit dem eigenen Ausstellungsteil passieren wird? „Das wissen wir noch nicht genau“, sagt Nils Schultz. „Sie könnte vielleicht noch etwas in der Kirche hier stehen bleiben und dann vielleicht selbst auf Reisen gehen, mal sehen.“ Aber noch befindet sich hier ja fast alles in Bau...

Mehr Info: https://www.juhu-ge.de/1000steine

Foto: Spernol

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