Rückgang bei Azubis um fast fünf Prozent

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen meldet einen kräftigen Zuwachs von fast drei Prozent bei den Ausbildungsverträgen. Für Gelsenkirchen steht indes wieder ein klares Minus zu Buche.

Insgesamt 7933 junge Frauen und Männer beginnen nach IHK-Abgaben in den nächsten Tagen und Wochen in einem Unternehmen im Münsterland oder in der Emscher-Lippe-Region ihre Ausbildung in einem IHK-Beruf. Das sind 219 Verträge (2,8 Prozent) mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. „Der Zuwachs an neuen Ausbildungsverträgen könnte sogar noch größer sein“, sagt Carsten Taudt, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Bildung und Fachkräftesicherung. Denn nach einer aktuellen Umfrage der IHK kann ein Drittel der Betriebe nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Dass die Zahl der neuen Ausbildungsverträge trotz rückläufiger Schulabgänger- und Bewerberzahlen dennoch insgesamt gestiegen ist, führt Taudt auf „ein deutlich verbessertes Ausbildungsmarketing“ der Betriebe zurück, aber auch auf eine zunehmend individuelle Vermittlungsarbeit“.

Mit einem Plus von 3,6 Prozent weist das Münsterland laut IHK erneut „eine besondere Dynamik“ auf. Auch für die Emscher-Lippe-Region registriert sie „unterm Strich“ einen leichten Anstieg um knapp ein Prozent auf 1983 Neuverträge. Für die Stadt Gelsenkirchen verringerten sich die Vertragsabschlüsse allerdings um deutliche 4,4 Prozent auf 541. Im Vorjahr waren die Vertragsabschlüsse zum gleichen Zeitpunkt sogar um 11,1 Prozent auf 579 zurückgegangen. Ich glaube nicht, dass Gelsenkirchen völlig losgelöst vom Trend bleibt“, sagt Taudt und geht davon aus, dass die Zahl der Ausbildungsverträge bis Ende September noch weiter ansteigt. Eine wirkliche Erklärung für Negativ-Entwicklung für die Stadt hat Taudt indes nicht. „Es wird hier wirklich schon sehr viel unternommen“, sagt er.

„Die Betriebe machen sich mehr Gedanken und suchen verstärkt den direkten Kontakt zu potenziellen Bewerbern, etwa indem sie ihre Auszubildenden über die IHK als Ausbildungsbotschafter in die Schulen schicken“, erläutert Taudt. Dadurch steige nachweisbar die Zahl der Bewerbungen, gerade aus der nächsten Umgebung des Betriebes. Und nicht zuletzt sorge auch die hohe Zahl von Studienabbrechern dafür, dass bei der Berufswahl die betriebliche Ausbildung stärker berücksichtigt werde.

Wichtig sei, dass die Berufsorientierung in den Schulen weiter gestärkt werde. So müssten sich auch die Oberstufenschüler in allen Gymnasien umfassend mit dem Thema Ausbildung auseinandersetzen können. „Denn die Betriebe suchen in den nächsten Jahren vor allem Menschen mit einer guten betrieblichen Ausbildung“, berichtet Taudt aus den Ergebnissen des IHK-Fachkräftemonitors.

Erst kurz vor Ferienbeginn hatten die Ausbildungsbotschafter der IHK Nord Westfalen ihren bislang größten Einsatz in Buer. 14 Auszubildende informierten hier mehr als 200 Schülerinnen und Schüler der Unterstufe der Höheren Handelsschule des Eduard-Spranger-Berufskollegs über Berufsfelder, Bewerbung und Aufstiegschancen einer betrieblichen Ausbildung.

„Die Entscheidung, Ausbildungsbotschafter einzuladen, war absolut richtig“, bilanziert Schulleiter Ralf Niebisch. „Die Auszubildenden, die als Botschafter unterwegs sind, geben den Schülern ebenso lebendige wie authentische Einblicke in ihre Ausbildung.“ Dafür spricht auch die hohe Zufriedenheit der Schülerinnen und Schüler, die die IHK bei den bisherigen Einsätzen ermittelt hat. „90 Prozent fühlen sich gut informiert durch die Ausbildungsbotschafter“, berichtet Taudt.

Auch die Unternehmen hätten etwas von dem Projekt: „Durch den Einsatz ihrer Auszubildenden bringen sie sich bei den künftigen Schulabgängern als Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb ins Gespräch“, sagt der IHK-Bildungsexperte. Seit dem Start 2015 seien so bereits weit mehr als 900 Ausbildungsbotschafter in den Schulen im IHK-Bezirk unterwegs gewesen. Nicht zuletzt profitieren die Ausbildungsbotschafter selbst. Im IHK-Seminar und bei den Einsätzen in den Schulen üben sie sich im sicheren Auftreten – zur Stärkung des Selbstvertrauens.

Jugendlichen, die aktuell noch einen Ausbildungsplatz suchen, rät Carsten Taudt, sich an die IHK zu wenden: „Über das Projekt ‚Passgenaue Besetzung‘ vermitteln wir derzeit viele Bewerber auf unbesetzte Ausbildungsplätze.“ Davon gebe es aktuell noch eine ganze Menge. Mit der „Passgenauen Besetzung“, die durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds gefördert wird, unterstützt die IHK vor allem kleinere Betriebe bei der Suche nach motivierten Auszubildenden.

Ansprechpartnerin bei der IHK in Buer: Claudia Bux, Tel. 38 82 12, bux@ihk-nordwestfalen.de

Foto: Krüdewagen

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