Rückzugsort für ein stilles Gebet

Von Matthias Heselmann

Als erstes Krankenhaus in der Stadt bietet das Bergmannsheil einen Gebetsraum für muslimische Patienten, Besucher und Mitarbeiter an.

Über eine Kapelle verfügt fast jedes Krankenhaus – gerade in Häusern, die in kirchlicher Trägerschaft sind, gehört so ein Ort, an dem Patienten oder Besucher zur Ruhe kommen oder ein Gebet sprechen können, zum Standard. Allerdings sind diese Kapellen in der Regel christlich, also katholisch oder evangelisch geprägt. Das Bergmannsheil hat jetzt als erstes Krankenhaus in Gelsenkirchen einen Gebetsraum für Muslime, einen sogenannten „Mescid“ eingerichtet.

„Unsere Patienten befinden sich ja bisweilen in existenziellen Nöten“, sagt Werner Neugebauer, Geschäftsführer des Bergmannsheils. „Da ist es wichtig, dass sie einen Ort haben, an dem sie zur Ruhe kommen können.“ Für die katholischen und evangelischen Patienten und Besucher sei das die Kapelle, „die schon immer ein wesentlicher Bestandteil unseres Hauses ist“, so Neugebauer. Mit dem Mescid gebe es einen solchen Ort jetzt auch für muslimische Patienten, Besucher und Mitarbeiter.

Auf 18 Quadratmetern ist im dritten Obergeschoss des Hauses – quasi gegenüber von der Kapelle – ein lichtdurchfluteter, schlichter Raum entstanden. Der Mescid ist fast leer: Dominiert wird er von einem großen Gebetsteppich, dessen Muster die Ausrichtung nach Mekka anzeigt und der nicht mit Schuhen betreten werden sollte. Ansonsten besteht die Einrichtung aus einem schlichten Bücherregal, in dem ein Koran steht, sowie einer Uhr, die die Gebetszeiten der Muslime anzeigt.

„Respekt und Toleranz im Umgang miteinander ist uns wichtig. Wir ermöglichen unseren muslimischen Patienten den Rückzug für ein stilles Gebet“, sagt Werner Neugebauer.

Das Bergmannsheil Buer hat als nicht-konfessionelles Haus die Idee eines Gebetsraums für Muslime umgesetzt und führte vorab Gespräche mit Nezahat und Aydin Kilinc, Cesur Özkaya und Cevdet Duran – als Mitglieder des Integrationsrates – sowie mit dem Integrationsbeauftragten der Stadt Gelsenkirchen Mustafa Cetinkaya. Sie sind die Ideengeber der Mescid im Bergmannsheil. „Wir sind glücklich, dass die Klinik unser Anliegen so offen aufgenommen hat und Muslime hier einen Platz zum Gebet finden. Nachdem die Klinik alle baulichen Maßnahmen finanziert hat, spendeten wir den Gebetsteppich“, sagt Nezahat Kilinc.

„Für uns war das ein echtes Herzensthema“, so Kilinc, die für die SPD im Rat der Stadt sitzt. Seit einigen Wochen schon ist der Mescid geöffnet – die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen, berichtet sie.

Und auch Oberbürgermeister Frank Baranowski freut sich über die neue Einrichtung. „Menschen, die in Krankenhäusern behandelt werden oder jemanden haben, der behandelt werden muss, sind oft in Ausnahmesituationen“, so der OB. Ein Rückzug zu einem Gebet könne da helfen, der Situation gefestigt zu begegnen. „Bei der großen Anzahl von Patienten muslimischen Glaubens im Bergmannsheil Buer ist es ein guter Gedanke, analog zu der Kapelle für Patienten christlichen Glaubens einen eigenen Gebetsraum anzubieten“, so Baranowski weiter.

Foto: Heselmann

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