Verbrennung auf dem Prüfstand

Von Boris Spernol

Die umstrittene Verbrennung von Ölpellets im Kraftwerk Scholven kommt auf den Prüfstand: Die Bezirksregierung Münster geht damit auf einen entsprechenden Wunsch der Stadt Gelsenkirchen ein, wie Behördensprecherin Sigrun Rittrich am Dienstag dieser Zeitung auf Anfrage mitteilte. Die Pellets gelten nach Expertenmeinungen als krebserregend.

Der Rat der Stadt hatte in der vorigen Woche an Bezirksregierung und NRW-Umweltministerium als Genehmigung- und Kontrollbehörden appelliert, innerhalb von sechs Monaten „die Rechts- und Genehmigungslage zum Einsatz von Ölpellets noch einmal zur überprüfen und abschließend zu bewerten“.

Zugleich prüfen die Energiekonzerne Uniper und BP derzeit, ob sie die Verbrennung der Ölpellets bis zum Abschluss der Klärung vorerst aussetzen. Damit kämen sie einer Bitte der Stadt Gelsenkirchen nach einem Moratorium nach.

Das Unternehmen nehme die „entstandene Verunsicherung und Sorge“ der Bevölkerung „rund um die Verbrennung“ der Pellets „sehr ernst“, erklärte nun Peter Alexewicz, Leiter der Standortkommunikation der BP-Tochter Ruhr Oel, auf Anfrage dieser Zeitung. „Vor diesem Hintergrund prüfen wir aktuell sorgfältig den Appell des Rates der Stadt Gelsenkirchen, den Verkauf der Rußpellets bis zur Klärung der Sachlage auszusetzen.“

Die Prüfung geschehe „unter Berücksichtigung der technischen Durchführbarkeit sowie der Folgen, die dies auf unsere Beschäftigten, Umweltbelastungen und andere Unternehmen entlang der Lieferkette im Ruhrgebiet hätte“. Für Kraftwerksbetreiber Uniper bestätigte Pressesprecherin Christine Bossak: „Wir prüfen und besprechen dies intern sowie mit den beteiligten Dritten.“

Die Staatsanwaltschaft Bochum überprüft unterdessen, ob sie ihre Ermittlungen gegen Ruhr-Oel-Mitarbeiter ausweitet. Für einen Teil der Pellets bestehen aus Sicht der Staatsanwaltschaft Zweifel am Status als Nebenprodukt. Anfang Oktober verurteilte das Landgericht Bochum bereits einen Abfallmakler aus Schermbeck zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten, der mindestens 25.000 Tonnen giftiger Ölpellets illegal entsorgt haben soll.

Foto: NBM (Archiv)

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