Kevin-Prince Boateng war pünktlich vor Ort. Denn der 26-Jährige saß nicht im Flieger, der die Mannschaft des FC Schalke 04 heute Mittag von Düsseldorf nach Basel gebracht hatte. Boateng musste in der NRW-Landeshauptstadt noch einen Gerichtstermin hinter sich bringen, den er nicht verschieben konnte.

Das ist kein Problem. Wir waren informiert“, sagte Schalke-Manager Horst Heldt vor dem morgigen Champions-League-Spiel beim FC Basel (20.45 Uhr). Damit war dieses Thema auch schnell abgehandelt, denn das eigentliche Interesse galt noch immer der Suspendierung von Jermaine Jones.

Nach dem 3:3 gegen 1899 Hoffenheim war dem Mittelfeldspieler mitgeteilt worden, dass er bei zweiten Gruppenspiel der Champions League nicht zum Kader der Mannschaft gehören wird. „Wir müssen mit unseren Entscheidungen versuchen, die Mannschaft besser zu machen“, urteilte Heldt und wirkte dabei wenig nachsichtig. Wie lange die Maßnahme dauern wird, ist offen. Es scheint sehr fraglich, dass Jones sich am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg wieder als Teil der Mannschaft fühlen darf. Sein Vertrag läuft zudem am Saisonende aus. „Jetzt ist ein ganz falscher Zeitpunkt, über eine Vertragsverlängerung zu reden“, sagte Heldt mit ernster Miene. Jones hat im Übrigen vehement dementiert, dass er sich am Meniskus operieren lassen will. „Schalke ist jetzt wichtiger“, sagte der Mittelfeldspieler, der gestern in Gelsenkirchen trainierte.

Die Suspendierung hat zumindest für den Betroffenen ernste Folgen, für seine Kollegen soll diese Entscheidung allerdings keine Auswirkungen haben. „Von außen denkt man immer, dass so etwas Unruhe in die Mannschaft bringt. Das war bei uns aber kein Thema“, sagte Dennis Aogo. Der Druck, Fehler zu vermeiden und erfolgreich zu sein, so versicherte Aogo, würde sich dadurch allerdings nicht erhöhen. „Den haben wir doch immer“, sagte er. Die Schalker Profis haben in Basel jedenfalls einiges gut zu machen nach der desolaten zweiten Halbzeit in Sinsheim.

„Ich erwarte von unterschiedlichen Spielern unterschiedliche Dinge“, betonte Heldt. „Von Max Meyer sicher etwas anderes als von Kevin-Prince Boateng.“ Die Mannschaft wurde mit den Unzulänglichkeiten aus Hoffenheim noch einmal per Videoanalyse konfrontiert. Es dürfte eine längere Sitzung gewesen sein. Zudem haben die Verantwortlichen viele Einzelgespräche geführt. „Wer schreit, ist feige“, sagt Heldt über seine Vorgehensweise. Die Worte sollen aber mit Nachdruck gewählt worden sein. „Man darf seine Patronen auch nicht alle verschießen.“ Klar dürfte aber sein, dass die Geduld der Verantwortlichen mit der Mannschaft nicht mehr unendlich sein dürfte. Wenigstens gibt es die gute Nachricht, dass Julian Draxler wieder dabei ist und von Anfang an spielen will.

„Basel ist sicher der Favorit. Wir trauen uns aber zu, hier etwas mitzunehmen“, sagte Trainer Jens Keller. Auch der 42-Jährige dürfte bei einem weiteren Misserfolgserlebnis zunehmend unter Druck geraten. Noch bezieht ihn Heldt zwar nicht in die Fehleranalyse mit ein, allerdings wäre eine Diskussion bei einer ähnlichen Leistung wie in der zweiten Hälfte in Hoffenheim kaum noch zu vermeiden. Basels Trainer Murat Yakim geht jedenfalls voller Selbstvertrauen in die Begegnung. „Schalke und wir werden sicher um den zweiten Platz kämpfen“, sagte er in dem Bewusstsein, das Auftaktspiel beim FC Chelsea mit 2:1 gewonnen zu haben. Was die Aufgabe für Schalke nicht leichter macht.

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