Der Sonnenkönig ist tot

Von Frank Leszinski

Es war am 29. Juni 2013, als Günter Eichberg zuletzt eine Schalker Jahreshauptversammlung besuchte. Schon damals war der gebürtige Gütersloher gesundheitlich angeschlagen. Im Rollstuhl ließ sich Eichberg nach einer Knieoperation für 25-jährige Mitgliedschaft bei „seinen“ Königsblauen ehren. Jetzt ist der 72-Jährige am vergangenen Sonntag in Gütersloh verstorben.

Eichberg gehörte zu den schillerndsten Figuren als Schalke-Präsident in der Geschichte des Kultvereins. Von 1989 bis 1993 dauerte seine Amtszeit, in der es - vorsichtig formuliert - nie langweilig war. Eichberg liebte die Schlagzeilen. Legendär war seine Aktion im Januar 1990. Weil er die Beerdigung des Schalker Spieleridols Ernst Kuzorra aus beruflichen Gründen verpasst hatte, ließ er die Trauerfeierlichkeiten einfach wiederholen - um sich ins rechte Bild zu setzen.

Es waren damals selbst für Schalker Verhältnisse äußerst turbulente Zeiten. Königsblau kam nicht zur Ruhe und mutierte zu einer Fahrstuhlmannschaft, die zwischen Bundesliga und Zweiter Liga pendelte. Unter der Regie von Eichberg schafften die Königsblauen zwar 1991 den Aufstieg in die Bundesliga, aber Ruhe kehrte nicht ein, weil Eichberg oft zu gutgläubig agierte und der Schuldenberg immer größer wurde.

Erst als Eichberg auf die Idee kam, Rudi Assauer zum Comeback als Schalke-Manager zu verhelfen, wurde aus der einstigen Skandalnudel FC Schalke 04 langsam wieder ein seriös geführter Verein, der mit dem sensationellen UEFA-Cup-Sieg von 1997 sogar auf der internationalen Fußball-Bühne ein Zeichen setzte.

Für Eichberg war jedoch der 21. Mai 1997 kein Freudentag, sondern eher eine Art Albtraum. Weil er 1993 bei seinem unrühmlichen Abgang aus Gelsenkirchen rund 20 Millionen Mark Schulden hinterlassen hatte und sogar die Lizenz in Gefahr war, wurde der Klinik-Besitzer von Schalke-Fans als Verursacher der Finanzkrise in Mailand tätlich angegriffen. Eichberg sah das Finalrückspiel, das Schalke im Elfmeterschießen gewann, deshalb nicht im Stadion, sondern tief verbittert in einem Hotelzimmer.

An diesem Ereignis litt Eichberg viele Jahre. „Erst haben die Fans nur gesungen ,Eichberg, rück die Kohle raus‘, dann wurden sie handgreiflich. Das war der schwärzeste Tag meines Lebens“, gab der einstige „Sonnenkönig“ später zu. Diesen Spitznamen erhielt Eichberg, weil er sich gern mit prominenten Namen aus der Fußballer-Branche umgab (Udo Lattek als Schalke-Trainer, Günter Netzer als Frühstücksdirektor), die aber längst nicht hielten, was sie versprachen.

Schalke kriselte so heftig, dass Eichberg am 17. Oktober 1993 zurücktrat. Von Ende 1993 bis zur Jahrtausendwende lebte der Geschäftsmann in Florida, wo mehrere seiner wirtschaftlichen Ideen ohne Erfolg blieben. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er wieder als Unternehmensberater für Kliniken und Krankenkassen tätig. Zwischen 2004 und 2009 bekleidete Eichberg das Ehrenamt des Ortsbürgermeisters von Bad Bertrich. In seinen letzten Lebensjahren hatte er längst seinen Frieden mit dem FC Schalke 04 gemacht. Dem Verein, der ihm immer am Herzen lag.

Foto: NBM (Archiv)

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