von Frank Leszinski und Norbert Neubaum

GELSENKIRCHEN. Eigentlich wollte er diesen Moment so richtig genießen. Doch kaum hatte er sein erstes Bundesligator vor 60731 Zuschauern beim 4:1 (2:1)-Heimerfolg gegen den FC Augsburg erzielt, da umarmten ihn seine Mannschaftskameraden auch schon und feierten mit Max Meyer sein Premierentor in der Bundesliga.

So gesehen war für den 18-Jährigen dieses besondere Tor nur ein kurzer Genuss, doch der gebürtige Oberhausener tröstete sich: „Den Treffer werde ich mir im Fernsehen noch einmal genauer anschauen.“ Es wird wohl nicht bei einer Wiederholung bleiben, denn Meyer hat eine tolle Woche hinter sich. Im DFB-Pokal gegen Darmstadt 98, gegen 1899 Hoffenheim und gegen den FC Basel stand Meyer in der Anfangsformation und war eine spürbare Belebung des Schalker Spiels. „Mein erstes Bundesligator, dazu 4:1 gewonnen - es kann eigentlich keinen schöneren Tag geben. Das macht mich überglücklich. Ein Tor in der Champions League fehlt aber noch“, gab Meyer hinterher einen kleinen Einblick in sein Seelenleben.

Dass er gegen Augsburg zunächst draußen bleiben musste, konnte der 18-Jährige verschmerzen: „Natürlich will ich immer spielen. Aber der Trainer hat es mir erklärt. Die Belastungen waren für mich in den vergangenen zwei Wochen schon heftig.“

Aber Meyer ist enorm ehrgeizig. „Im Spiel gegen Basel hat er Krämpfe gehabt und hat uns das erst nach dem Spiel gesagt, der Hund!“, erzählte Manager Horst Heldt mit einem Lächeln im Gesicht.

Doch Schalke hat großes Vertrauen in die Fähigkeiten des Hochbegabten. Die legendäre Rückennummer 7 von Raúl darf der Youngster seit Saisonbeginn tragen. Heldt: „Max war zunächst ein wenig erschrocken, als er davon erfuhr. Doch er hat sich von Beginn an sehr gut präsentiert und auch in vielen Trainingseinheiten Akzente gesetzt.“ Dass Meyer der Erfolg zu Kopf steigen könnte, befürchtet der Schalke-Manager nicht. „Er hat ein intaktes familiäres Umfeld und wird von seiner Familie hervorragend unterstützt. Er arbeitet konzentriert und tritt nicht auf wie Graf Koks.“

Viel Zeit bleibt dem Mittelfeldspieler jedoch nicht, die vergangenen Tage zu verarbeiten. Schon heute macht er sich auf den Weg zur U 19-Nationalmannschaft, die in Weißrussland eine Qualifikationsrunde für die Europameisterschaften in dieser Altersklasse zu bestreiten hat. Dabei stehen drei Partien in fünf Tagen auf dem Programm. Meyer: „Wenn wir in den ersten zwei Spielen gegen Weißrussland und Lettland erfolgreich sind, kann ich womöglich auf das dritte Spiel gegen Schottland verzichten.“

Denn schließlich will der 18-Jährige jetzt weiter in der Bundesliga Fuß fassen. Seine Mannschaftskameraden sind überzeugt davon, dass Meyer das Potenzial zur Stammkraft besitzt. „Max hat in den letzten Wochen gezeigt, dass er einiges drauf hat. Er wird für die Mannschaft eine wichtige Rolle spielen. Er hat gerechtfertigt, dass er eingewechselt wurde. Ich freue mich, dass er sein erstes Bundesligator erzielt hat,“ sagte Julian Draxler. Meyer wird schon oft mit dem Nationalspieler, auch erst 20 Jahre alt, verglichen. „Es sind einige Gemeinsamkeiten da. Wir wurden beide mit 17 Jahren in den Profi-Kader integriert,“ sagt Meyer, der im Jahr 2000 beim FC Sardegna Oberhausen mit dem Fußball begann. Als sein Entdecker für die Königsblauen gilt Manfred Dubski, der damalige Schalke-Scout und heutige Co-Trainer der Schalker U 23 lotste Meyer vom MSV Duisburg zu den Gelsenkirchenern. Meyer: „Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich heute stehe. Wir haben noch oft Kontakt.“

Trainer Jens Keller will dieses Talent behutsam aufbauen. „Max wird auch weiterhin seine Einsatzzeiten bekommen. Aber wir werden die Belastungen genau dosieren.“ Schließlich wollen die Königsblauen noch lange Freude an ihrem Mittelfeldspieler haben, der seit dem 18. September volljährig ist. Die erste Autofahrt absolvierte Meyer allein nach dem Champions-League-Spiel gegen Steaua Bukarest. Meyer: „Es ist schöner alleine, man ist unabhängiger und kann fahren, wohin man möchte.“

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