Ein perfekter Spieltag

Jefferson Farfan wusste einen Augenblick nicht, wie ihm geschah. Dennis Aogo und Kyriakos Papadopoulos ging es ähnlich. Die drei verletzten bzw. gesperrten Schalker Spieler waren gerade auf dem Weg in die Mannschaftskabine, um ihren Vereinskameraden zum 4:0 (2:0)-Erfolg gegen 1899 Hoffenheim zu gratulieren.
Da wurden sie von hinten an den Schultern gefasst und liebevoll umarmt. „Jetzt ist der Alte wieder glücklich“, gab Clemens Tönnies, der Aufsichtsrats-Vorsitzende des FC Schalke 04, einen Einblick in sein Gefühlsleben, das nach diesen 90 Minuten nicht besser hätte sein können. Schon vor dem Anpfiff war der 57-Jährige in die Schalker Kabine geeilt „und hat jeden von uns abgeklatscht“, wie Klaas-Jan Huntelaar später verriet. Ob der aufmunternde Appell von Tönnies die Spieler beflügelte, lässt sich nicht seriös beurteilen. Fakt bleibt jedoch, dass es ein perfekter Spieltag für die Königsblauen war.

 

Denn Schalke zeigte sich nicht nur gut erholt von den deprimierenden Klatschen gegen Real Madrid (1:6) und Bayern München (1:5) und ließ Hoffenheim beim bislang höchsten Saisonsieg keine Chance, außerdem gaben die Konkurrenten um die Champions-League-Plätze erneut Punkte ab.
„Diese Woche war eine Herausforderung, weil viele Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs waren und damit die Vorbereitung auf Hoffenheim erst spät richtig beginnen konnte. Die Mannschaft und das Trainerteam haben das hervorragend gelöst,“ bilanzierte ein zufriedener Manager Horst Heldt nach den Toren des überragenden Huntelaar (3) sowie Obasi.
Ähnlich war die Stimmungslage bei Trainer Jens Keller: „Die Mannschaft wollte eine Trotzreaktion zeigen. Bei der Besprechung habe ich gesagt: ,Das sind große Worte. Geht raus und zeigt das auch.‘ Das haben sie sehr gut umgesetzt.“
Da fiel es auch nicht ins Gewicht, dass Huntelaar mit nur zwei Schritten Anlauf beim Spielstand von 2:0 einen Elfmeter auf peinliche Art und Weise vergab. Er schlenzte den Ball in die Arme von Hoffenheims Torwart Koen Casteels. „So etwas habe ich im Training oft geübt, damit der Torwart bei einem langen Anlauf nicht spekulieren kann. Aber das mache ich nie mehr wieder“, sagte Huntelaar, der mit unschuldigem Augenaufschlag zuvor zum Besten gegeben hatte, dass ihn beim Anlauf ein Krampf behindert habe.
Aber das war geflunkert vom „Hunter“, der den nächsten Elfmeter wieder Jefferson Farfan überlassen will. Außerdem wird der 30-Jährige die Mannschaft zum Essen einladen. Ist der Appetit von Höwedes und Co. genau so groß wie der Erfolgshunger, der Schalke gegen Hoffenheim auszeichnete, kann es für Huntelaar ein teurer Spaß werden.
Bei allem Frust, der sich zuletzt angesammelt hatte, relativiert sich die Pleite in München ein bisschen, wenn man sieht, dass ein Champions-League-Anwärter wie Wolfsburg noch höher (1:6) als Schalke gegen den FC Bayern verlor. In München war Tönnies übrigens schon zur Halbzeit erzürnt in die S04-Kabine gestürmt. Beim Spielstand von 0:4 war die Stimmung beim S04-Boss da jedoch eine ganz andere als am Samstag. Farfan und Co. bekamen es zu spüren. Auf liebevolle Art und Weise.

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