Elf Derbys für die Ewigkeit

Wahnsinn. Wahnsinniger. Revier-Derby: Seit dem 25. November 2017 könnte diese Steigerungs-Form Einzug ins Fußball-Wörterbuch halten. Das Jahrhundert-Spiel, Endstand 4:4, wird unvergesslich bleiben. Das gilt aber auch für andere Nachbarschafts-Duelle zwischen den großen Rivalen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Elf Bundesliga-Derbys für die Ewigkeit – eine (natürlich neutrale) Zusammenstellung in chronologischer Reihenfolge von Norbert Neubaum.

1.  26. September 1964: Schalke 04 – Borussia Dortmund 2:6. Liebe Schalker, bitte nicht weiterlesen: Denn das Endresultat ist fast noch das Beste an dem niederschmetternden Ergebnis. Nach 36 Minuten hat der BVB (mit Rudi Assauer übrigens) die Gastgeber vor 40.000 Zuschauern in der Glückauf-Kampfbahn nämlich schon komplett auseinandergenommen, es steht da bereits 6:0 für Borussia Dortmund. Schlimmer geht’s’s nimmer aus Schalker Sicht? Denkste…

2.  26. Februar 1966: Bor. Dortmund – Schalke 04 7:0. …denn anderthalb Jahre später kassieren die Königsblauen die höchste Bundesliga-Derby-Klatsche. Der Halbzeit-Rückstand von 0:3 ist ein Beleg dafür, dass eine Aufholjagd wie die vom November 2017 alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist…

3. 6. September 1969: Bor. Dortmund – Schalke 04 1:1. Ein Derby, das sich so vorher keiner ausdenken kann. Eigentlich für alle Zeiten Spitzenreiter der ewigen Kuriositäten im Duell zwischen Schwarz-Gelb und Blau-Weiß. Schalke geht durch Hansi Pirkner mit 1:0 in Führung, im Stadion „Rote Erde“ bricht Chaos aus. Schäferhund Rex ist von „seinem“ Ordner nicht mehr zu bändigen und beißt S04-Verteidiger Friedel Rausch ins Hinterteil. Legendäre Szenen, die transportiert durch eine TV-Kamera  nicht nur in deutschen Wohnstuben die Runde machen. Rausch wird so zur Schalker Legende, zum Derby-Märtyrer. Der BVB gleicht durch Werner Weist noch aus zum 1:1, egal. Was für immer hängen bleiben wird, ist Friedel Rausch und der Hundebiss. Im Rückspiel lässt S04-Präsident Günter Siebert als Konter Löwen aus dem Löwenpark Westerholt auffahren. Zahme allerdings…

4. 10. Dezember 1985: Schalke 04 – Bor. Dortmund 6:1. Ein Derby für die Ewigkeit, weil es in einem Jahrzehnt, im dem Königsblau zwischen Erster und Zweiter Liga pendelt, Balsam für die Schalker Seele ist. Zur Halbzeit (0:0) deutet noch nichts auf das Schützenfest hin, dann schießen Gerd Kleppinger und Olaf Thon (je 2), Frank Hartmann und Bernd Dierßen den BVB ins Tal der Tränen. Für Dortmund tritt ein späterer Schalker Eurofighter: Ingo Anderbrügge.

5. 24. August 1991: Schalke 04 – Bor. Dortmund 5:2. Ein Tag, an dem Schalke alles gelingt, dem BVB so gut wie nichts. Dabei sind die Königsblauen gerade erst wieder in die Bundesliga aufgestiegen. Und Dortmund hat einen neuen Trainer: Ottmar Hitzfeld ahnt noch nicht, dass er beim BVB trotzdem noch zur Legende wird, als er nach seinem in den Sand gesetzten Premieren-Derby mit Dortmunder Journalisten in einem plötzlich viel zu engen Fahrstuhl des Parkstadions zur Pressekonferenz fährt. Trotz sommerlicher Temperaturen ist das Klima – höflich formuliert – eisig…

6. 19. Dezember 1997: Bor. Dortmund – Schalke 04 2:2. Ein einziger Moment reicht, um alle Emotionen freizulegen, die so ein Derby bieten kann. Dortmund führt 2:1, Ecke für Schalke (zugegeben: eine zweifelhafte…): S04-Torhüter Jens Lehmann, in letzter Minute mit nach vorne geeilt, köpft ein zum 2:2. Erstmals in der Bundesliga-Geschichte trifft ein Torhüter aus dem Spiel heraus, also nicht per Elfmeter. Fassungslosigkeit im ganzen Stadion. Schalkes Fans lassen mit ihrem Urschrei die Stadion-Wände vor Freude wackeln, die Dortmunder vor Frust wegen der seltsamen Eckball-Entscheidung. Der Jubel des völlig losgelösten Jens Lehmann bleibt das dominierende Bild.

7. 23. September 2000: Bor. Dortmund – Schalke 04 0:4. Mittlerweile spielt Jens Lehmann beim BVB und erlebt dort nicht nur schöne Stunden. Am 23. September wird er Zeuge einer Schalker Fußball-Demonstration: Andi Möller und Co. spielen den BVB an die Wand, gegen den späteren Vize-Meister sind die Gastgeber nahezu chancenlos. Es bleibt auch ein Derby für die Ewigkeit, weil es eines der letzten ganz großen Spiele von Olaf Thon ist, der sich kurze Zeit später verletzt und seine Karriere ausklingen lassen muss.

8. 30. Januar 2004: Bor. Dortmund – Schalke 04 0:1. Der BVB ist haushoch überlegen, den Schalker Fans wird angst und bange. Als Frank Rost gleich zwei Dortmunder Elfmeter hält, hoffen die Gäste, sich irgendwie mit einer Null-Nummer nach Hause zu retten und mit einem königsblauen Auge davonzukommen. Alle haben die Rechnung ohne Ebbe Sand gemacht: Der Schalker Däne, der eine lange Torflaute wie einen zentnerschweren Rucksack mit sich herumträgt, trifft kurz vor Schluss zum 1:0 für Schalke. Mit dem Spielverlauf hatte dieses Ergebnis aber auch rein gar nichts zu tun. Aber in einem Revier-Derby spielen solche Feinheiten nun mal keine Rolle…

9. 12. Mai 2007: Bor. Dortmund – Schalke 04 2:0. Auch dieses Derby werden beide Revier-Klubs nicht vergessen. Obwohl es aus Schalker Sicht eins zum Vergessen ist: Vorletzter Spieltag, Schalke kann Meister werden. Wie mit bleischweren Beinen schleppen sich die Königsblauen über den Dortmunder Rasen, verlieren völlig verdient mit 0:2 und damit am vorletzten Spieltag auch die Meisterschaft. Der BVB dagegen rettet eine an und für sich verkorkste Saison, in dem er dem „Lieblings-Feind“ den Titel vermasselt.

10. 13. September 2008: Bor. Dortmund – Schalke 04 3:3. So etwas wie die „Blaupause“ für den 25. November 2017, nur andersrum. Schalke führt schon mit 3:0, Kuranyi muss das 4:0 machen. Der BVB kommt zurück und feiert am Ende ein 3:3 wie einen Sieg. Für beide Trainer ist es – wie im November 2017 für Peter Bosz und Domenico Tedesco – die Derby-Premiere: Beim BVB jubelt Jürgen Klopp, Fred Rutten versteht die Schalker Welt nicht mehr…

11. 25. November 2017: Bor. Dortmund – Schalke 04 4:4. Zur Halbzeit steht es 4:0 für Dortmund, viele live anwesende S04-Fans verlassen schon das Stadion, wer zu Hause geblieben ist, knipst den Fernseher aus oder wirft ihn direkt aus dem Fenster. Währenddessen kniet S04-Trainer Domenico Tedesco in der Kabine vor seinen Spielern und sensibilisiert sie für eine irre Aufholjagd. Am Schluss taumelt der BVB nur noch über den Platz, Schalke schafft das 4:4. Und lässt T-Shirts drucken: „Derby-Sieger“.

Wahnsinn. Wahnsinniger. Revier-Derby.

Foto: NBM

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