Fans wollen mehr Demokratie wagen

von Matthias Heselmann

Willy Brandt wollte einst "Mehr Demokratie wagen" - Schalkes Fans wollen das auch:

Die Gräben zwischen Vereinsführung und Fans wollte er zuschütten, hatte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies (Foto) bei der Jahreshauptversammlung im Sommer noch gesagt – und wenn er dabei den größten Bulldozer der Welt brauche. So ganz ist ihm das anscheinend noch nicht gelungen: Jetzt wollen drei große Fan-Organisationen eine Änderung der Vereinssatzung herbeiführen, um mehr Transparenz in die Vereinsstrukturen zu bringen.
Konkret geht es dabei um den Modus, wie die beiden Gremien Aufsichtsrat und Ehrenrat gewählt werden.

Bisher muss sich jemand, der sich um einen Posten im Schalker Aufsichtsrat bewirbt, einer Prüfung durch den Wahlausschuss unterziehen. Dieser Wahlausschuss stellt fest, ob der Kandidat für die Wahl zum Aufsichtsrat geeignet ist und kann den Kandidaten ablehnen – warum er einen Kandidaten ablehnt, muss der Ausschuss laut aktueller Satzung nicht begründen.
Das finden die Fans, die den Aufruf unterstützen, zu wenig transparent. Sie wollen durchsetzen, dass Kandidaten, die vom Wahlausschuss abgelehnt werden, per Mitgliederentscheid durch einfache Mehrheit trotzdem zur Wahl für den Aufsichtsrat zugelassen werden dürfen. „Diese Befugnis erhöht die Transparenz und nimmt dem Wahlausschuss den vielfach kritisierten Charakter einer ,Black Box‘“, heißt es in einer Erklärung der drei Fangruppen.

In der Vereinspraxis sei es zuletzt vorgekommen, dass der Wahlausschuss bereits eine personelle Auswahl getroffen habe, indem er die Anzahl der Kandidaten beschränkt habe, kritisieren die Fans: „Durch diese Praxis rekrutierte sich der Aufsichtsrat zuletzt ausschließlich aus sich selbst heraus“. Es bestehe die Gefahr, dass neue Kandidaten nicht mehr zugelassen werden.

 

Bei den Fangruppen, die die Satzungsänderung unterstützen, handelt es sich um den Supporters Club, die Schalker Fan-Initiative und die Ultras Gelsenkirchen – Gruppen also, die schon bei der Jahreshauptversammlung durch ihre Opposition zu Viagogo auf sich aufmerksam gemacht haben. Mit ihren Anträgen wollen sie, so heißt es weiter, „die demokratischen Strukturen des Vereins festigen und die Mitgliederversammlung als höchstes beschlussfassendes Vereinsgremium stärken.“
Auch bei der Besetzung des Ehrenrates sollen die Mitglieder künftig direkt mitentscheiden können, fordern die Fanvertreter. Bislang schlägt der Aufsichtsrat die Kandidaten für den Ehrenrat vor, über die dann die Mitglieder im Block abstimmen. Weil der Ehrenrat aber bei vereinsinternen Streitigkeiten vermitteln soll, die auch Aufsichtsratsmitglieder betreffen können, wittern die Fanvertreter hier einen Interessenkonflikt. Die vorgeschlagene Änderung sieht vor, dass jedes stimmberechtigte Vereinsmitglied einen Kandidaten für die Wahl zum Ehrenrat vorschlagen kann.
Am 4. Mai findet die diesjährige Jahreshauptversammlung statt – dann sollen Schalkes Mitglieder über die Satzungsänderung abstimmen. Mehr zum Thema steht auf www.schalkermarkt.de.

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