Feuer in der Kabine

Kurz nach Mitternacht, 90 Minuten nach dem historischen 1:6-Debakel in der Champions League gegen Real Madrid, machte sich eine kleine Gruppe von Schalke-Fans frustriert auf den Heimweg. „Und jetzt gegen die Bayern...“, stöhnte ein Mitglied dieses Kreises beim Verlassen der Veltins-Arena. Dabei stand ihm das Entsetzen ins Gesicht geschrieben.
Denn nach der sportlichen Demontage gegen die „Königlichen“, die Manager Horst Heldt im Vorfeld als zweitbeste Mannschaft der Welt klassifiziert hatte, droht gegen die zurzeit beste Mannschaft der Welt, dem FC Bayern, das nächste Debakel. Vor allem dann, wenn sich Schalke so desolat präsentiert wie gegen die Madrider. Da war nach den ersten 20 Minuten nichts mehr davon zu sehen, dass die Gastgeber dem großen Favoriten Paroli bieten wollten. Damit hat das Rückspiel am 18. März in Madrid nur noch statistischen Charakter.

Trainer Jens Keller war bemüht, dieses Debakel so einzuordnen, dass sich keine allzu negative Grundstimmung breit macht. „Wir dürfen jetzt nicht in Hektik und Panik verfallen. In den vergangenen fünf Wochen haben wir gut gespielt. Diesmal haben wir als Mannschaft nach dem 0:1 nicht mehr funktioniert.“
Deshalb gab es gestern eine längere Aufarbeitung per Videoanalyse, wo den Spielern im Beisein von Manager Horst Heldt die Vielzahl ihrer Fehler vor Augen geführt wurde. „Es gab Feuer“, machte Keller klar, dass deutliche Worte fielen. Vor allem die sogenannten Führungsspieler wie Boateng, Farfan oder Höwedes hatten nicht das Format, um die Niederlage für die eigene Mannschaft in erträglichen Grenzen zu halten.
Genau darüber ärgerte sich Heldt besonders. „Wenn man feststellt, dass nichts zu holen ist, muss man sehen, dass man nicht noch mehr Tore bekommt. Ich muss nicht nach dem 0:5 weiter alles riskieren. Das haben wir jedoch gemacht, das ist ärgerlich,“ schimpfte der Schalke-Manager, der davon ausgeht, dass Schalke sich in München anders präsentieren wird.
Allerdings hat sich die Personallage wieder verschlechtert. Santana fällt wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel für mehrere Wochen aus, Kolasinac (Kieferprellung), Neustädter (Knieprellung) und Boateng (muskuläre Probleme) sind angeschlagen. Heldt hält allerdings gar nichts davon, in München mit einer „B-Elf“ auszulaufen, wie es andere Clubs in dieser Saison schon praktiziert haben: „Wir können nicht dahin fahren und gleich alles aufgeben“, betont der 44-Jährige.
Deshalb wird das nächste Bundesligaspiel für die Königsblauen auch zur Charakterfrage. Wenigstens Einsatz und Leidenschaft sollten in München auf Seite der Keller-Elf stimmen. Der Aufforderung der Schalker Fans in der Schlussphase des Madrid-Spiels: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ werden Höwedes und Co. beim souveränen Spitzenreiter aber wohl kaum folgen können. Dazu fehlt es Schalke schlicht und ergreifend an Klasse und Potenzial.

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