Geplanter Putin-Besuch sorgt für Ärger

Von Frank Leszinski

Noch in diesem Monat wird der Schalker Ehrenrat zu einer außerplanmäßigen Sitzung zusammenkommen. Dabei geht es um ein höchst brisantes Thema, nämlich um den angedachten Besuch der Schalker Mannschaft beim russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Diesen hat Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies bei seinem Besuch der Olympischen Spiele in Sotschi in Aussicht gestellt – also vor den S04-Klatschen gegen Madrid und in München. Tönnies pflegt seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis zu Putin. Auf dessen Wunsch will Fleisch-Fabrikant Tönnies (mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2013) in Zukunft in Russland selbst Schweine mästen und Ackerbau betreiben. Russland sei als einer der größten Märkte für Schweinefleisch unheimlich wichtig, so Tönnies.

Auch wegen seines Hauptsponsors Gazprom pflegt Schalke 04 ein enges Verhältnis zu Russland. Der Gas-Gigant ist seit dem 1. Januar 2007 Trikotsponsor des Bundesligisten und zahlt dem Verein angeblich einen Sockelbetrag von 15 Millionen Euro pro Jahr, dessen Volumen sich abhängig von sportlichen Erfolgen erheblich erhöhen kann. Im Mai 2011 wurde der Vertrag zwischen Schalke und Gazprom vorzeitig bis Ende Juni 2017 verlängert.
Diese Zusammenarbeit wird jedoch seit Jahren von kritischen Stimmen begleitet, die Gazprom unter anderem „Korruption“ und „kriminelle Strukturen“ vorwerfen. Zu den Kritikern gehört auch Roman Kolbe, der sich seit Jahren in der Schalker Fan-Initiative und im Fanmagazin „Schalke Unser“ engagiert. Er hat den Schalker Ehrenrat „im Namen vieler Schalke-Fans und Mitglieder“ aufgefordert, „den offenbar angedachten Besuch der Profimannschaft bei Wladimir Putin zu verhindern. Viele Fans sehen durch die immer größere Nähe, die vom Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies zum russischen Präsidenten gesucht wird, elementare Schalker Werte wie Demokratie, Freiheit und Mitbestimmung verletzt“, so Kolbe. Er hofft, damit weiteren Schaden für das Image des Vereins frühzeitig abwenden zu können. Kolbe: „Wir können nicht so tun, als wäre in den letzten Wochen in der Ukraine nichts passiert.“
Kolbe strebt an, dass sich der FC Schalke 04 öffentlich von Wladimir Putin distanziert. „Der FC Schalke 04 ist ein Verein, der auf demokratischen Füßen steht und die Meinungsfreiheit als ein hohes Gut erachtet. Wir sollten nicht als Steigbügelhalter für einen Autokraten fungieren und ihn mit einem Besuch adeln. Dies gilt insbesondere in Anbetracht der aktuellen politischen Situation in der Ukraine, in der Wladimir Putin die Souveränität der Ukraine aufs Gröbste verletzt.“
Schalkes Ehrenrat soll nun darüber entscheiden, ob die S04-Fußballer Putin besuchen sollen oder nicht. Clemens Tönnies selbst sieht die ganze Angelegenheit gewohnt pragmatisch: „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das eine ist ein politisches Problem, das andere ist eine wirtschaftliche Beziehung, wie es viele andere zwischen deutschen und russischen Unternehmen gibt.“

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