Heidel und der Scherbenhaufen

Von Frank Leszinski

Viele Bundesligavereine sind seit Jahren eifrig dabei, die eigene Informationspolitik so zu steuern, dass möglichst wenig Gegenwind zu erwarten ist. Schalke 04 macht in dieser Hinsicht keine Ausnahme. So fand die Vorstellung der vier Aufsichtsrats-Kandidaten, die am 30. Juni auf der Mitgliederversammlung für zwei frei werdende Plätze in diesem Gremium kandidieren, in einer Diskussionsrunde unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Immerhin konnten Fragen der Mitglieder schriftlich eingereicht werden. Das geschah aber nur sehr spärlich, wie Moderator Matthias Killing zugab, der zu Beginn der Diskussionsrunde nicht versäumte, sich als glühender Schalke-Fan zu outen. Die aktuelle Bestandsaufnahme der Schalker Lage durch Peter Lange, Ingolf Müller, Matthias Rüter und Clemens Tönnies verlief in den schon oft gehörten rhetorischen Bahnen. Schalke sei ein großer Klub, mit großartigen Fans und einem riesigen Potenzial.

Warum die Königsblauen bei solchen Voraussetzungen aber nur auf Platz 14 in der vergangenen Bundesligasaison landeten, ist jedoch erklärungsbedürftig. Für Ingolf Müller ist der Hauptschuldige Christian Heidel. Der frühere Schalke-Manager haben viel mehr Geld ausgegeben als Schalke eingenommen habe. „Heidel hat einen Scherbenhaufen hinterlassen“, kritisierte Müller.

Moderatere Worte fanden die drei anderen Aufsichtsrats-Kandidaten. Tönnies übte Selbstkritik („Ich hätte früher eingreifen müssen.“) und fand für die Leistungen der Schalker Mannschaft deutliche Worte: „Ich habe mich geärgert und geschämt für so manche Spiele, die wir abgeliefert haben“.

Der Schalke-Boss sprach von einer „schlechten Saison“, wehrte sich aber vehement dagegen, alles schlecht zu reden. „Wir werden unter dem neuen Trainer David Wagner anderen Fußball spielen“, versprach der 63-Jährige und erinnerte an die enormen Investitionen rund um das Berger Feld, die Schalke nach vorn bringen würden.

In einem Punkt waren sich alle vier Kandidaten für den Aufsichtsrat einig: Die Rechtsform des eingetragenen Vereins darf nicht infrage gestellt werden. „Diese ist alternativlos“, betonte Ingolf Müller. Sollte der Finanzfachmann in den Aufsichtsrat gewählt werden, will er auch gegen die massive Vermarktung der Uefa kämpfen. Besonders die Sonntagsspiele in der Bundesliga sind ihm ein Dorn im Auge.

Dass Schalke auf dem Transfermarkt bisher sehr zurückhaltend war, ist für Peter Lange keine Überraschung. „Wir müssen wegen der schwachen Saison kleinere Brötchen backen. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten zwei, drei Wochen noch einiges passieren wird“, so der 63-Jährige. Neuestes Gerücht ist laut ran.de die Verpflichtung von Dresdens Torwart Markus Schubert.

Foto: NBM

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