Hilfe vom Erzrivalen

Von Frank Leszinski

Kein Schalke-Fan wird es gerne hören, aber es entspricht der Wahrheit: Die einzig positive Nachricht des Wochenendes kam ausgerechnet aus Dortmund. Dank des BVB-Erfolges gegen den VfB Stuttgart haben die Königsblauen weiterhin vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Zwar zeigten die Schalker bei ihrer 2:4-Schlappe in Bremen eine wesentlich bessere und engagierte Leistung als zuletzt gesehen, „aber eine Steigerung im Vergleich zu den Spielen in Mainz oder gegen Düsseldorf war nicht wirklich schwer“, merkte selbst Trainer Tedesco fast schon sarkastisch an.

Der 33-Jährige bleibt im Amt, weil der neue Sportvorstand Jochen Schneider den Auftritt in Bremen als die geforderte Trendwende interpretierte. „Wir brauchen eine Trendwende in der Leistung. Die haben wir gesehen“, sagte Schneider, der damit eine dosierte Rückendeckung für Tedesco formulierte, aber in den nächsten Sätzen weitere Forderungen stellte: „Diesmal war es eine gute Leistung über 50 Minuten. Bei den nächsten Aufgaben sollte es schon über 70, 80 oder 90 Minuten ein gutes Spiel unserer Mannschaft sein.“

Wohl wahr, denn 50 gute Minuten reichen eben meistens nicht, um in der Bundesliga ein Spiel zu gewinnen. Gravierende Defizite blieben augenfällig, wie zum Beispiel die Abwehrschwäche. Erst zum zweiten Mal seit der Bundesligagründung 1963 kassierte Schalke in vier Pflichtspielen in Folge mindest drei Gegentore. Zuletzt war das im September 1964 passiert.

Dass mit Daniel Caligiuri jetzt auch noch eine Stammkraft mindestens vier Wochen ausfallen wird, verschärft die prekäre Lage noch, denn auf dieser Position hat Tedesco kaum leistungsstarke Alternativen. Wegen anhaltender Leistenbeschwerden fällt vorerst auch Mittelfeldspieler Omar Mascarell aus. Der Spanier wird sich in den nächsten Tagen weiteren Untersuchungen bei Spezialisten in Berlin unterziehen. Der 26-jährige, im vergangenen Sommer für zehn Millionen Euro von Real Madrid verpflichtet, hat in dieser Saison erst sieben Bundesligaspiele für die Gelsenkirchener bestritten, davon nur zwei über 90 Minuten.

Guido Burgstaller räumte deshalb treffend ein: „Keine Punkte, keine Trendwende. Es warten harte Zeiten auf uns. Es wird nicht leichter werden, darauf müssen wir uns einstellen.“ Auf der Leistung in Bremen könne man zwar aufbauen. Burgstaller: „Wir haben mit viel Mut gespielt, so wie wir es in der vergangenen Saison oft gemacht haben. Wir waren unangenehm für den Gegner und das müssen wir beibehalten.“ Aber der nächste Gegner in der Bundesliga heißt RB Leipzig und ist als Tabellendritter ein Champions-League-Anwärter.

Dann wird es auch auf die Unterstützung der Schalker Fans ankommen. In Bremen war diese gegeben. 4.500 Schalke-Fans feuerten ihre Mannschaft von der ersten bis zur letzten Minute an. „Überragend“, lobte Schneider die eigenen Anhänger. Sollte Schalke jedoch seine Negativserie - sieben Spiele in Folge ohne Sieg - auch gegen Leipzig fortsetzen, dürfte Tedesco kaum noch zu halten sein. Der Salzburger Trainer Marco Rose passt perfekt ins Anforderungsprofil von Jochen Schneider. Lange Zet schien 1899 Hoffenheim der Favorit von Rose zu sein. Doch mittlerweile sollen die Kraichgauer auch ambitionierte Zweitliga-Trainer wie Tim Walter (Holstein Kiel) und Achim Beierlorzer (Jahn Regensburg) ins Visier genommen haben.

Ob das als Indiz zu werten ist, dass Hoffenheim sich bei Rose einen Korb geholt hat? Auf jeden Fall hat auch Salzburg die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihr Erfolgstrainer bleibt. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz hat gegenüber den „Salzburger Nachrichten“ erklärt, dass er Rose unbedingt halten will.

Foto: NBM

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