Höwedes kämpft um Kolasinac und Goretzka

Von Frank Leszinski

Es gab kaum ein Körperteil, das Sead Kolasinac in den vergangenen Wochen nicht wehtat. Die Oberschenkel zwickten, die Adduktoren meldeten sich, hinzu kamen Wadenprobleme und Fußballspielen war wegen eines doppelten Nasenbeinbruchs nur mit einer Maske möglich. Doch wenn der Anpfiff eines Spiels ertönt, vergisst der Bosnier alle Schmerzen und stellt sich mit großer Leidenschaft in den Dienst der Schalker Mannschaft.

Der 23-Jährige symbolisierte in Mainz wie kein anderer Schalker Spieler die Mentalität der „neuen Eurofighter“, die nach dem knappen Erfolg wieder Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen aufgenommen haben. Dass Schalke keinen schönen Fußball gespielt hatte, war allen Blau-Weißen bewusst. Aber am Ende zählten nur die drei Punkte, die Kolasinac nach einem unnachahmlichen Lauf in der eigenen Hälfte gesichert hatte. Dass bei seinem Treffer auch noch das Tornetz kaputt ging, sprach Bände.

„Ich freue mich, dass ich so schießen kann“, schmunzelte der Torschütze, der immer noch nicht preis geben wollte, ob er Schalke am Saisonende verlässt oder seinen auslaufenden Vertrag verlängert. Ums Geld soll es dem bulligen Verteidiger angeblich nicht so sehr gehen, sondern vielmehr um die sportliche Perspektive. Bleiben andere Leistungsträger wie Goretzka oder Meyer und welche neuen Spieler werden verpflichtet? Das sind wesentliche Fragen, die „Seo“ beschäftigen.

Kein Zweifel besteht indessen, wie groß die Wertschätzung seiner Mannschaftskameraden für den gebürtigen Karlsruher ist. Sogar der Kapitän hat sich in diese Personalfrage nun eingeschaltet. „Natürlich habe ich mit Seo und auch Leon Goretzka gesprochen. Als Kapitän empfinde ich das als meine Pflicht, denn beide gehören zum Gerüst der Mannschaft“, verriet Benedikt Höwedes nach der Partie in Mainz. Ob seine Argumente Erfolg hatten, steht noch nicht fest. „Mein Berater und der Manager sind im Gespräch. Mehr gibt es zurzeit nicht zu sagen“, so Kolasinac.

Dass ihm eine Entscheidung nicht leicht fällt, ist offensichtlich. Denn bereits vor vier Wochen kündigte der Außenbahnspieler eine „zeitnahe Entscheidung“ an. Doch diese steht weiterhin aus, weswegen Manager Christian Heidel zuversichtlich bleibt. Heidel: „Wir wollen ihn unbedingt behalten.“

Schalke kann nach der Qualifikation für das Viertelfinale der Europa League und Platz neun in der Bundesliga nun entspannter in die Länderspielpause gehen. „Die Pause kommt nach den intensiven Belastungen der vergangenen Wochen zum richtigen Zeitpunkt und ist extrem wichtig für uns“, sagte Heidel.

Mit der Tabelle wollte sich das Vorstandsmitglied nicht beschäftigen. „Um unten nicht reinzurutschen, benötigt man sicher 38 oder 39 Punkte. Wir fangen jetzt auch nicht an, uns mit Europa auseinanderzusetzen. Das einzige, worauf wir uns jetzt konzentrieren, ist das Derby gegen Dortmund.“

Trainer Weinzierl gönnt seiner Mannschaft nach sechs englischen Wochen in Folge gestern und heute zwei freie Tage. „Der Sieg in Mainz ist Gold wert. Jetzt müssen die Jungs regenerieren und dann greifen wir weiter an,“ so der ehrgeizige Trainer. Keine Pause gibt es jedoch für Sead Kolasinac. Mit Bosnien stehen Länderspiele auf dem Programm. „Und darauf freue ich mich“, versicherte der Defensivspezialist glaubhaft ungeachtet des Mammutprogramms.

Foto: NBM

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