"Ich bin keine Maschine*

Von Frank Leszinski

Den Kopf gesenkt und schnellen Schrittes verließ Ralf Fährmann die Allianz-Arena in München. Seine Körpersprache verriet auch eine Stunde nach der Schalker 1:2 (1:2)-Niederlage beim FC Bayern München, dass der Torhüter mit sich und der Welt nicht zufrieden war. Reden wollte der Schalke-Kapitän zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, sondern bat bei den wartenden Journalisten um Verständnis: „Nehmt es mir nicht übel, aber heute habe ich keine Lust.“

Was sollte der 29-Jährige auch sagen, nachdem er wie schon im Heimspiel gegen Werder Bremen nur eine Woche später erneut gleich zweimal gepatzt hatte? Wohl jeder der 75 000 Zuschauer in der wieder einmal ausverkauften Allianz-Arena hatten gesehen, wie Fährmann bei der frühen Führung der Gastgeber den Schuss von Bayern-Spieler Thomas Müller so nach vorn abwehrte, dass Mittelstürmer Robert Lewandowski ohne Probleme abstauben konnte.

Noch unglücklicher sah Fährmann beim zweiten Bayern-Gegentor aus, als Müller (36.) ihn mit einem Schuss in die kurze Ecke düpierte. „Ich bin keine Maschine und hätte das gerne anders verteidigt,“ sagte Schalkes Nummer eins bei Sky. Sollte er sich noch eine kleine Chance auf eine WM-Nominierung eingeräumt haben, dürfte sich dieses Thema jetzt erledigt haben, zumal Bundestrainer Joachim Löw die Partie live vor Ort verfolgte. Dass Schalke zwischenzeitlich durch Franco Di Santo (28.) ausgleichen konnte, blieb angesichts der Patzer von Fährmann nur eine Randnotiz.

Schuldzuweisungen gab es für den Torhüter aus dem Schalker Lager jedoch keine. „Ralle ist unser Kapitän. Er strahlt etwas aus. Das ist eine Phase, die wir gemeinsam überwinden werden“, betonte Trainer Domenico Tedesco. Auch Manager Christian Heidel stärkte Fährmann den Rücken. „Es gibt bei uns keine Torhüterdiskussion. Es waren zwei unglückliche Situationen. Aber da muss er durch. Ich bin sicher, dass er am Samstag wieder die gewohnte Leistung bringt. Er hat uns schon so viele Punkte gewonnen,“ betonte der 54-Jährige.

Trotzdem war der Spielverlauf für Schalke besonders ärgerlich, weil die Gäste beim deutschen Rekordmeister eine sehr ordentliche Leistung boten und sich mit einem Punkt hätten belohnen können. Deshalb war der Frust von Heidel nur zu verständlich. „Wir sind sehr enttäuscht, weil wir 90 Minuten ein ebenbürtiger Gegner waren. Mit dem Spiel sind wir sehr zufrieden, mit dem Ergebnis natürlich nicht.“

Bayerns Co-Trainer Peter Hermann, der den grippekranken Jupp Heynckes vertrat, verlebte jedenfalls bis zum Schlusspfiff angespannte Minuten am Spielfeldrand, weil Schalke mit drei Spitzen im Gegensatz zu vielen anderen Bundesligateams den von Tedesco geforderten Mut bewies und keinen Abwehrbeton anmischte.

Dass es dennoch nicht zu einem Punktgewinn reichte, lag an der Cleverness der Bayern und daran, „dass uns in den letzten Minuten nach dem schweren Pokalspiel gegen Wolfsburg etwas de Körner fehlten,“ wie Heidel einräumte.

Ungeachtet des guten, aber erfolglosen Auftritts in München stimmt die Schalker Punktebilanz der letzten Monate nachdenklich. Nur zwei Siege aus zehn Bundesligaspielen sind eine zu dürftige Bilanz für einen Europapokal-Aspiranten, der im Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim am nächsten Samstag auch noch auf den gesperrten Max Meyer (fünfte Gelbe Karte) verzichten muss.

Trainer Tedesco bleibt jedoch optimistisch: „Ich mache mir keine Sorgen. Natürlich ist es schade, dass wir uns nicht belohnt haben. Aber ich bin überzeugt davon: Wenn man gut arbeitet und gut spielt, dann sind gute Ergebnisse nur eine Frage der Zeit.“ Und einen guten Torwart als Rückhalt hat...

Foto: NBM

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