Ein perfekter Abschluss

Von Frank Leszinski

Perfekter Abschluss einer aus Schalker Sicht hervorragenden „englischen Woche“: Nach dem 3:0-Sieg gegen Augsburg und der furiosen Aufholjagd sowie dem Erreichen des Europa-League-Viertelfinales in Gladbach gewann Schalke am Sonntag bei Mainz 05 mit 1:0 (0:0) – und ist Europa so nah wie noch nie in dieser Saison.

Während S04-Manager Christian Heidel, der über 20 Jahre seines Arbeitslebens bei Mainz 05 verbracht hatte, bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte viele Hände schütteln durfte und vor dem Spiel so etwas wie der Hauptdarsteller war, musste Schalkes Trainer Markus Weinzierl seine Startformation neu sortieren: Für den grippekranken Nastasic begann Badstuber als Innenverteidiger neben Höwedes, außerdem ließ Weinzierl nach dem anstrengenden Europapokal-Spiel in Gladbach rotieren: Stambouli für Geis, Schöpf für Caligiuri, Meyer für Bentaleb – diese Änderungen nahm Weinzierl auf freiwilliger Basis vor.

Nach dem Feiertag im deutsch-deutschen Duell auf der Europa-Bühne war schon vorher klar, dass das Spiel in Mainz eher in die Kategorie „Abnutzungskampf“ fallen würde – schließlich trafen zwei Mannschaften aufeinander, die mit einem Auge immer noch auf den vielleicht zur Euro-Quali ausreichenden Tabellenplatz sieben schielen konnten, andererseits aber auch die unteren Tabellenränge im Blick haben mussten. Dementsprechend zäh gestaltete sich die Partie im ersten Durchgang.

In dem der FSV Mainz allerdings die Vorteile auf seiner Seite hatte. Zwar hielt Schalke „die Null“, allerdings stimmte nicht nur das Eckenverhältnis von 6:1 für Mainz S04-Coach Weinzierl unzufrieden. Er hatte sich schon nach 25 Minuten trotz niedriger Temperaturen seiner Jacke entledigt und lebte durch sein emsiges Laufpensum am Spielfeldrand das Engagement vor, das er auch von seinen Spielern erwartet hatte.

Nach dem Seitenwechsel nahm Schalke dann – nun mit Bentaleb für den offenbar leicht angeschlagenen Goretzka – auch tatsächlich mehr Fahrt auf: Kolasinac, schon in Hälfte eins einer der besten Schalker, tankte sich auf der linken Seite beherzt durch und schloss nach schönem Zusammenspiel mit Choupo-Moting und Burgstaller zur Schalker 1:0-Führung ab (50.).

Die Spielentwicklung war nun logisch: Mainz unternahm alles, was möglich war, um mindestens einen Punkt zu holen – schließlich drohte den Gastgebern im Falle einer Niederlage ein unerfreulicher Aufenthalt im Tabellenkeller. Aber dementsprechend gingen die Mainzer auch zu Werke: Bemüht, im Abschluss aber letztlich viel zu inkonsequent und ohne jede Präzision. Bezeichnend ein Schuss von Quaison in der 64. Minute – aus aussichtsreicher Position drosch der Mainzer Fußballer den Ball weit übers Tor.

Schalke bot sich immer mehr Raum für Konter, mit denen gingen die Königsblauen aber meistens genau so „schlampig“ um wie die Mainzer mit ihren Chancen.

Letztlich konnte Schalke trotz am Ende deutlich schwindender Kräfte den Ein-Tor-Vorsprung über die Zeit bringen und damit drei ganz wichtige Auswärtspunkte mit nach Gelsenkirchen nehmen. Denn nun bietet die Tabellenkonstellation den mit fünf Niederlagen in die Saison gestarteten Schalkern wieder eine ganz realistische europäische Perspektive: Bis zu Platz sieben sind es nur drei Punkte Abstand, zu Platz sechs immerhin auch nur noch vier. Daran war vor Wochen nicht zu denken – Mainz befindet sich dagegen nun mitten im Abstiegskampf. Auch Trainer Martin Schmitt soll nicht mehr unumstritten sein – als sein möglicher Nachfolger wird bereits Sandro Schwarz, Trainer der zweite Mannschaft, gehandelt. Das wäre dann wohl eine typische Heidel-Lösung...

Der Schalker Manager gab sich nach dem Spiel durchaus sentimental: „Ich habe schon einen dicken Kloß im Hals gehabt. Bei meiner Rückkehr nach Mainz bin ich sehr freundlich begrüßt worden, das zeigt mir, dass ich hier während meiner Zeit als Manager nicht viel falsch gemacht habe.“

Die Nacht vor dem Spiel hatte Heidel übrigens nicht im Schalker Mannschaftshotel, sondern in seiner davon nur ca. 250 m entfernten Mainzer Wohnung verbracht. „Das spart Schalke Geld“, hatte Heidel vorher scherzhaft argumentiert. Geld sparen und gewinnen – die „englische Woche“ hätte nicht besser laufen können...

Foto: NBM

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