von Frank Leszinski und Norbert Neubaum

 

GELSENKIRCHEN. Gestern war Erholung angesagt. Auf der Trabrennbahn am Nienhausen Busch verbrachte die Schalker Mannschaft den Tag und ließ dabei auch noch einmal den 4:1 (2:1)-Erfolg gegen den FC Augsburg Revue passieren.

Mit dabei war auch Kevin-Prince Boateng, der gegen Augsburg in der Schlussphase verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Heute soll eine Untersuchung Aufschluss darüber geben, wie lange der 26-Jährige ausfallen wird. Boateng: „Ich habe einen Schlag auf mein linkes Problem-Knie bekommen und noch versucht, den Schmerz auf dem Platz wegzulaufen. Aber das hat nicht geklappt.“

Zum Zeitpunkt seiner Auswechslung war der am Ende klare Schalker Sieg noch längst nicht unter Dach und Fach. Denn die Gäste präsentierten sich in der Anfangsphase von ihrer besten Seite. Mutig nach vorne spielend, stürzten sie die Schalker Abwehr in der ersten Viertelstunde von einer Verlegenheit in die andere. Dabei präsentierte sich Felipe Santana als Sicherheitsrisiko Nummer eins.

Dass der Brasilianer nicht nur bei der Augsburger Führung durch Mölders (10.) Hilfestellung leistete, sondern auch seine Mannschaftskameraden auf dem Spielfeld mit eindeutigen Gesten kritisierte, löste nur noch Kopfschütteln aus. Santana gab sich hinterher selbstkritisch: „Die Fehler, die ich gemacht habe, nehme ich auf meine Kappe.“

Glück für Schalke, dass ein berechtigter Elfmeter und die Rote Karte für Sünder Klavan der Partie die wohl entscheidende Wende gab. „Das war der Knackpunkt“, befand auch Julian Draxler, der die Tore von Boateng, Szalai (2) und Meyer bejubeln durfte. Es war Schalkes 600. Bundesligasieg und der Abschluss einer „guten Woche“, wie Manager Horst Heldt anmerkte. Heldt räumte ein, dass Schalke gegen Augsburg keinen „Zauberfußball“ gespielt habe, aber die Ergebnisse der vergangenen Wochen belegen eindeutig, dass sich die Königsblauen sportlich nach dem schwachen Start in der Bundesliga gefangen haben.

Von den letzten neun Pflichtspielen haben die Königsblauen nur eins (0:4 in der Bundesliga gegen den FC Bayern) verloren, ansonsten jedoch sieben Siege und ein Unentschieden erzielt. Dass die Mannschaft in den vergangen 20 Tagen sieben Partien zu absolvieren hatte und aufgrund der Ausfälle von Leistungsträgern wie Huntelaar, Papadopoulos oder zuletzt Farfan geschwächt ist, wird in der öffentlichen Wahrnehmung indes kaum thematisiert. Das Management muss dagegen in der Öffentlichkeit tagelang Stellung nehmen, weil Trainer Jens Keller Mittelfeldspieler Jermaine Jones aus nachvollziehbaren Gründen (schwache Leistungen und Fehlverhalten außerhalb des Platzes) eine Denkpause verordnete.

Es ist schon eine verrückte Welt, in der sich Schalke bewegt. Kevin-Prince Boateng nimmt die Aufgeregtheiten rund um seinen neuen Arbeitgeber gelassen. „Wenn man nicht spielt wie Bayern oder Barcelona, schauen hier alle sehr genau hin. Das ist Schalke“, sagte der 26-Jährige mit einem Lächeln.

Zur Schalker Folklore gehört auch die Tatsache, dass der größte Jubel in der Veltins-Arena in der zweiten Halbzeit ertönte, als der Dortmunder Rückstand in Mönchengladbach auf dem Videowürfel zu sehen war. Der BVB ist übrigens der nächste Schalker Heimspielgegner in der Bundesliga. Bis dahin hofft Manager Heldt, dass von den Langzeitverletzten zumindest Klaas-Jan Huntelaar wieder zur Verfügung steht.

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