Klassenerhalt geschafft: (K)ein Grund zum Feiern

Schalke 04 und der FC Augsburg bleiben erstklassig. Das würdigten beide Vereine nach dem tristen 0:0 in der Veltins-Arena völlig unterschiedlich.

Die Gegensätze hätten größer nicht sein können. Während Schalkes Fußballer fast schüchtern Richtung Nordkurve schlichen, um sich von den Fans noch einmal als „Derby-Sieger“ feiern zu lassen, zauberte die Delegation des FC Augsburg rote T-Shirts für die Spieler aus dem Koffer mit der Aufschrift: „Mehr als nur neun Jahre Bundesliga!“

Die Botschaft war dagegen für beide Vereine gleich: Sowohl die Königsblauen als auch die Schwaben spielen in der kommenden Saison in der Ersten Bundesliga. Die Stuttgarter Niederlage in Berlin hatte das für Augsburg schon am Samstag perfekt und für Schalke so gut wie perfekt gemacht. Nach dem 0:0, das sich beide Mannschaften am Sonntag auf Schalke abrangen, ist nun auch für den durch die Saison taumelnden Vize-Meister der Vorsaison der Abstieg selbst rechnerisch nicht mehr möglich.

Und darauf, und nur darauf kam es letztlich an, nachdem Schalke in der letzten Phase unter Trainer Domenico Tedesco eine Bruchlandung nach der anderen hingelegt und sich auch unter „Retter“ Huub Stevens nur ganz schwer berappelt hatte.

„Der Klassenerhalt ist geschafft. Das ,Wie’ ist nicht wichtig“, atmete Stevens nach seiner erfüllten Mission tief durch, erwiderte höflich die Glückwünsche zum Klassenerhalt, die Augsburgs Trainer Martin Schmidt überbracht hatte, gab allerdings auch zu verstehen, „dass uns keiner zu gratulieren braucht. Insgesamt war und bleibt es eine enttäuschende Saison.“

Das vorletzte Saison-Heimspiel gegen den FC Augsburg wirkte dabei wie eine Beweis-Führung dafür, dass beide Mannschaften in der Tabelle völlig zurecht auf ihren aktuellen Plätzen stehen. Schalke konnte nicht mal den Rückenwind des Derby-Sieges und die durch die Stuttgarter Niederlage entspannte Ausgangslage dazu nutzen, um endlich mal befreit aufzuspielen. Zur ungewohnten Anstoßzeit am Sonntag Mittag wurde den Fans erneut fußballerische Magerkost geboten – dass die Zuschauer gar nicht erst auf einen deftigen Sonntagsbraten gehofft hatten, wurde dann deutlich, wenn selbst missglückte, aber zumindest im Ansatz lobenswerte Schalker Offensiv-Bemühungen mit Beifall bedacht wurden.

Mittlerweile ist wohl jedem regelmäßigen Beobachter von Schalker Spielen, besonders zuhause, klar geworden: Diese Mannschaft kann es einfach nicht besser. Und in Dortmund wird man sich wahrscheinlich noch ein Weilchen fragen, wie ausgerechnet diese Schalker im Signal-Iduna-Park vier Tore erzielten konnten...

Denn auch gegen Augsburg war die Ideen-Vielfalt der Gastgeber arg limitiert und wurde erst durch die Einwechslung des immerhin Tempo ins Spiel bringenden Rabbi Matondo ein wenig aufgebrochen. Da auch die Augsburger Offensiv-Künste recht bescheiden wirkten, bewegte sich der Unterhaltungswert des Spiels im unterdurchschnittlichen Segment. Schmidt nahm es seiner Mannschaft nicht übel: „Durch die gute Nachricht vom Samstag gab es bei uns natürlich einen Spannungsabfall. Mit dem Ergebnis bin ich daher zufrieden, mit dem Spiel nicht, mit dem Wochenende aber schon: Denn für einen Verein wie den FC Augsburg ist jedes weitere Jahr Erste Liga ein Erfolg.“

Ein Grund zum Feiern für Augsburg, für Schalke nicht – auch das Publikum nahm das Erreichen des minimalsten aller möglichen Saisonziele lediglich zur Kenntnis. Dabei wird nicht nur Stevens nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Manuel Gräfe tief durchgeatmet und gedacht haben: Das hätte in dieser Saison auch ins Auge gehen können. Also doch ein Grund zum Feiern. Ganz leise. Ohne Nicht-Abstiegs-Shirts.

Foto: Heselmann

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