Fünfer-Pack zum Start war kein Zufall

Der Mann am Mikrofon hob warnend den Zeigefinger und nannte den 1. FC Köln als Beispiel, wie es einer Mannschaft nach der sehnsüchtig erwarteten Rückkehr in den Europapokal ergehen kann.

Aber irgendwie wirkte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mitten im Freudentaumel während der letzten Schalker Jahreshauptversammlung mit seinem ernsten Appell deplatziert.

Kann uns nicht passieren, wird uns nicht passieren. Dachten viele Zuhörer.

Nun sollte man den Geißbock nicht an die Wand malen – Schalke ist noch lange kein Abstiegskandidat, muss sich aber spätestens nach dem ernüchternden 0:2 gegen Bremen vorerst eher nach unten orientieren.

Denn dieses Spiel hat deutlich gemacht: Die fünf Niederlagen zum Saisonstart waren kein Zufall!

Drei Zu-Null-Siege in Folge haben kaschiert, was immer offensichtlicher wird: Schalke fehlt es in ausgeglichenen Partien nicht nur an Spielglück, es fehlt auch an Qualität. Wenn der erste Schuss aufs Tor gleich zu einem Gegentor führt, ist das halt auch ein Zeichen von Schwäche. Und wenn von fünf glasklaren Torchancen, die Trainer Domenico Tedesco gezählt hat, keine einzige verwertet wird, ist das nicht nur Pech.

Schalkes Spielweise vereinigt gleich mehrere Indikatoren von Schwäche – vielleicht lässt sich das am Beispiel Sebastian Rudy festmachen. Obwohl am Samstag sowohl Struktur als auch ein Stratege erkennbar fehlten, saß Rudy – als Top-Transfer ja für eine solche Rolle geholt – in diesem Schlüsselspiel 90 Minuten lang auf der Bank. Noch bemerkenswerter: Es wirkte in der Arena nicht so, als hätten die Fans seine Einwechslung sehnsüchtig erwartet.

Das ist nur ein Beispiel. Von allen Neuzugängen, für die Schalke immerhin über 50 Millionen Euro hat springen lassen, hat noch keiner entscheidend geholfen. Vieles wirkt wie Stückwerk, das sich gegen schwache Mannschaften mit einem Kraftakt durchsetzen kann – sobald ein Gegner wie Bremen aber mindestens durchdachten und „erwachsenen“ Fußball spielt (also wie Schalke in der Vorsaison), droht das fragile Gebilde zu kippen.

Ein Automatismus, ein Ineinandergreifen einzelner Rädchen, ist bei Schalke nicht zu erkennen. Die Frage, ob eine ständig „rotierende“ Mannschaft eine solche Struktur überhaupt bekommen kann, muss Tedesco beantworten.

Vielleicht sollte er – was kein Zeichen von Schwäche wäre – seine Strategie überdenken und endlich weitestgehend einer Stamm-Elf vertrauen. Priorität muss dabei die Bundesliga haben. Köln sollte Warnung genug sein.

Foto: NBM

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