Krisengipfel

Von Frank Leszinski

Wenn nicht jetzt, wann dann? Für Schalke 04 zählt am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) beim Tabellenvorletzten Hannover 96 nur ein Sieg.

Das weiß natürlich auch Huub Stevens. Der erfahrene Coach setzte am Freitag alle ihm zur Verfügung stehende Mittel ein, um Ruhe und Gelassenheit vor dem so wichtigen Spiel auszustrahlen. Seine Jungs hätten gut gearbeitet, die Trainingsarbeit habe Spaß gemacht und mit dem Gegner habe er sich weniger beschäftigt, weil es um Schalke 04 gehe.

Dem Kultklub steht sportlich das Wasser bis zum Hals. Acht Spiele in Folge haben die Königsblauen in der Bundesliga nicht mehr gewonnen. In der Rückrunde gab es bisher erst einen Sieg (2:1 gegen Wolfsburg), und auch die eklatante Heimschwäche (bereits acht Niederlagen!) sorgte mit dafür, dass die Königsblauen bis auf Tabellenplatz 15 abschmierten.

Dass die Mitarbeiter jetzt einen Betriebsrat gründeten, deutet zudem auf interne Spannungen hin, die zwar nichts mit den sportlichen Leistungen auf dem Platz zu tun haben, aber dem Wunsch nach einer geschlossenen Außendarstellung nicht unbedingt entsprechen. Schalke kriselt im Frühjahr 2019 so heftig, dass nur drei Punkte in Hannover für ein kurzes Durchatmen sorgen können.

Stevens muss dabei den schwierigen Drahtseilakt meistern, seinen Spielern Selbstvertrauen zu vermitteln, aber Defizite ebenso schonungslos anzusprechen.

„Wir versuchen, ehrlich zu sein. Ich denke, das ist das allerwichtigste. Wenn du ehrlich bist, bist du auch deutlich. Und manchmal auch hart. Und dann musst du auch manchmal wieder ein bisschen knurren“, schmunzelte der „Knurrer von Kerkrade“ ein bisschen selbst über seine Worte.

Personell ließ sich der 65-Jährige nicht in die Karten gucken. Sogar ein Blitz-Comeback von Daniel Caligiuri nur drei Wochen nach seinem Syndesmoseanriss mochte Stevens nicht ausschließen. „Wenn er am Samstag gut und beschwerdefrei trainiert, warum nicht?“

Zweifel am Klassenerhalt hat Schalkes Jahrhunderttrainer nicht. „Wenn ich daran zweifeln würde, säße ich nicht hier. Wir haben das erste Training daran gearbeitet, die Köpfe frei zu bekommen. Die Tabelle ist erst nach 34 Spieltagen wichtig. Ich habe nah den Trainingseinheiten den Eindruck, dass die Jungs Gas geben und alles dafür tun werden, in Hannover ein gutes Ergebnis zu erzielen“.

Dort ist die Lage im Vergleich zur Schalker Situation noch viel dramatischer. Dass sogar Klublegende Dieter Schatzschneider nach der Mitgliederversammlung aus dem Verein ausgetreten ist, hat in Hannover für ein vereinspolitisches Erdbeben gesorgt. Der neue Aufsichtsrat sei von Menschen gewählt worden, „die im Stadion Gewalt ausüben und Pyrotechnik benutzen“, schimpfte der 60-Jährige und enge Vertraute von Präsident Martin Kind.
Dieser heizte die ohnehin schon angespannte Stimmung weiter an, als er Trainer Thomas Doll kritisierte. Dieser schöpfe das Leistungspotenzial seiner Mannschaft nicht aus.

Schalke trifft also auf einen Gegner, der noch viel verunsichert ist als die eigenen Spieler. Deshalb ist die Einschätzung zur Ausgangsposition – Wenn nicht jetzt, wann dann? – viel mehr als eine Floskel.

Foto: NBM

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