Kritik an Tönnies wird immer lauter

Die Kritik an Clemens Tönnies reißt nicht ab. Nach seinen rassistischen Äußerungen am vergangenen Donnerstag beim Tag des Handwerks in Paderborn gerät der Schalker Aufsichtsrats-Vorsitzende immer mehr unter Druck.

Der Termin der Ehrenratssitzung des FC Schalke 04 am Dienstag steht schon seit einigen Wochen fest. Satzungsgemäß trifft sich dieses Gremium am Dienstag das erste Mal nach der Mitgliederversammlung, um sich neu zu konstituieren und einen neuen Vorsitzenden zu wählen bzw. den alten in seinem Amt zu bestätigen. Doch aus der eigentlichen Routinesitzung wird nun ein „Fall Tönnies“, denn der 63-Jährige muss vor dem Ehrenrat zu seinen skandalösen Äußerungen Stellung beziehen.


Danach wird das fünfköpfige Gremium eine Entscheidung fällen. Mögliche Sanktionen reichen von einer „Verwarnung“, einem „Verweis“ bis zur „Enthebung aus Vereinsämtern auf Zeit und Dauer“.

Doch selbst wenn Tönnies von sich aus die Reißleine ziehen würde, bliebe Schalke handlungsfähig. Ein neuer Aufsichtsrats-Vorsitzender braucht nicht gewählt zu werden, dann würde der Stellvertreter von Tönnies, Dr. Jens Buchta, an dessen Stelle rücken. Außerdem ist der Aufsichtsrat zahlenmäßig laut Satzung ausreichend besetzt, weil in der Vergangenheit einige Mitglieder kooptiert wurden, wie zum Beispiel Sergey Kupriyanov von Hauptsponsor Gazprom.

Ausschließen kann man einen Rückzug von Tönnies jedoch nicht mehr, weil die Kritik an seinen Äußerungen immer größer wird. Am Montag meldete sich der Integrationsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes, Cacau, zu Wort.
„Mich haben die verächtlichen Worte von Clemens Tönnies schockiert. Und je länger ich darüber nachdenke, desto unvorstellbarer wird es, dass ein Mann seiner Position und Erfahrung so generalisierend und abfällig über die Bevölkerung eines ganzen Kontinents spricht“, heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes.
Cacau fügte hinzu: „Wir Fußballer und Funktionäre tragen eine besondere Verantwortung und sollten uns gegen Rassismus authentisch und mit aller Kraft einsetzen und nicht an einer Spaltung mitwirken, die ohnehin in unserer Gesellschaft spürbar ist.“

Zuvor hatte sich bereits Schalke-Legende Gerald Asamoah „geschockt“ über die Aussagen von Tönnies gezeigt. „Seine Äußerung hat mich sehr überrascht, geschockt und auch verletzt. Er beleidigt mich und alle anderen Betroffenen“, schrieb Asamoah auf Instagram. „Ich bin ehrlich gesagt etwas sprachlos. Ich arbeite schon lange mit Clemens Tönnies zusammen und wir sind auch schon lange eng befreundet“, sagte der in Ghana geborene Asamoah. „Mir gegenüber hat er sich nie rassistisch verhalten.“

Die Äußerungen von Tönnies haben viele Schalker Fans umso fassungsloser gemacht, weil sich ihr Verein jahrelang im Kampf gegen Rassismus engagiert hat. Das Schalker Fanprojekt wurde deshalb im Oktober 2017 mit dem Julius-Hirsch-Preis für seine vorbildliche Anti-Rassismus-Arbeit ausgezeichnet. Noch auf der Mitgliederversammlung im Juni 2019 hatte Finanzvorstand Peter Peters stehende Ovationen für seine Rede erhalten, als er Rassismus vehement angeprangert hatte.

Bei rassistischen Plakaten oder gar Hitlergrüßen im Fanblock habe er „vor Ekel kotzen können“, so Peters. Den S04-Anhängern hatte der 57-Jährige zugerufen: „Steht auf, zeigt Flagge! Wir unterstützen euch dabei!“ Diesen Appell hat Tönnies mit seinen gedankenlosen Sätzen völlig ins Gegenteil verkehrt.

Foto: NBM

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