Mit Szepan auf Platz drei - Teil 1 der Schalker WM-Geschichte

Von Frank Leszinski

Etwas Wehmut wird bei Benedikt Höwedes sicherlich dabei sein, wenn er ab Sonntag die Spiele der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland verfolgt. Denn lange Zeit machte sich der Abwehrspieler große Hoffnungen, nach dem WM-Triumph von 2014 in Brasilien, wo Höwedes jede WM-Minute für Deutschland im Einsatz war, erneut dabei zu sein.

Doch großes Verletzungspech machte dem 30-Jährigen einen Strich durch die Rechnung. Damit ist er längst nicht der einzige deutsche Schalker WM-Teilnehmer, dessen Hoffnungen sich in der Historie dieser Titelkämpfe nicht erfüllte. Wir blicken auf die deutschen WM-Teilnehmer des FC Schalke 04 zurück.

Weil Deutschland bei der WM-Premiere 1930 in Uruguay nicht dabei war, beginnt die Schalker WM-Geschichte 1934 in Italien. Fritz Szepan war der einzige Königsblaue, den Reichstrainer - so hieß das damals - Otto Nerz nominierte. Er wählte den jüngsten Kader, der jemals für Deutschland bei einer WM antreten sollte. Nerz hatte in aufwändigen Tests im Frühjahr 16 Spieler aussortiert, darunter so manchen Routinier. Er wollte das neue, nur in England populäre WM-System mit fünf Stürmern einüben – und das erschien ihm mit jungen Leuten leichter. Der Erfolg gab ihm Recht - auch dank der überragenden Fähigkeiten von Szepan.

Zwischen 1929 und 1939 bestritt der Schalker Mittelfeldspieler 34 Länderspiele, 30 Mal trug der Spielmacher die Kapitänsbinde, so auch bei der Weltmeisterschaft 1934, bei der das deutsche Team überraschend den dritten Platz erreichte nach einem 3:2-Erfolg gegen Österreich.

Für die nächste Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich galt Deutschland als eine Art Geheimfavorit, weil die Mannschaft ein Jahr zuvor in Breslau mit 8:0 besiegt hatte. Diese Partie der deshalb so bezeichneten „Breslau-Elf“ gilt bis heute als eines der besten deutschen Länderspiele aller Zeiten. Die dänische Mannschaft hatte zuvor seit November 1935 kein Spiel mehr verloren.

Doch die großen Hoffnungen erfüllten sich nicht. Ein Vierteljahr nach der Annexion Österreichs durch Hitler blamierte sich Nerz-Nachfolger Sepp Herberger mit der neu formierten deutschen Mannschaft, in der acht Spieler aus dem Nachbarland standen. Die erzwungene Fusion der erfolgreichen „Breslauer-Elf“ mit dem „Wiener Wunderteam“ wurde zum Flop.

Im Eröffnungsspiel in Paris gab es für „Großdeutschland“ gegen die Schweiz ein 1:1 nach Verlängerung. Schon beim zweiten Duell kam im Achtelfinal-Wiederholungsspiel das Aus durch eine 2:4-Niederlage. Dabei verspielte Deutschland mit Fritz Szepan als Kapitän eine 2:0-Führung. Zweiter Schalker Spieler im deutschen Aufgebot war Rudi Gellesch, der vor dem Wiederholungsspiel aus dem Kader flog, weil Herberger mit seiner Leistung nicht zufrieden war.

Foto: NBM (Archiv)

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