Nervenspiel

Am Montag berichtete Christian Heidel von „Gänsehaut-Momenten“. Damit war jedoch nicht die Begeisterung über das Spiel der Schalker Elf gemeint.

Es ging vielmehr um die Spielersitzung vom Sonntag, die Heidel in einer Ecke sitzend etwas abseits von den Spielern verfolgt hatte. Das sei ein Erlebnis gewesen, so der Schalker Sportvorstand. Sein Fazit nach der Sitzung: „Es stimmt in dieser Mannschaft, es stimmt mit diesem Trainer“, so Heidel. Deshalb sei er felsenfest überzeugt, dass Schalke schnell wieder in die Spur komme.

Heute beim SC Freiburg (20.30 Uhr/Sky) soll das nach vier Niederlagen in Folge unbedingt gelingen. Doch es wird wohl ein Nervenspiel werden. Auf der einen Seite der Außenseiter aus Freiburg, der ausgerechnet vor dem Schalke-Spiel mit 3:1 in Wolfsburg seinen ersten Saisonsieg feierte, und auf der anderen Seite verunsicherte Königsblaue.
Eine weitere Schlappe hätte nicht nur die Einstellung des „Vereinsrekords“ von vor zwei Jahren unter dem damaligen Trainer Markus Weinzierl zur Folge, sondern wohl auch das Ende der Ruhe, die Schalke bisher ungeachtet der sportlichen Misere auf der Führungsebene vermittelt hat.
Dass Schalke nach dem kapitalen Fehlstart immer mehr in die Kritik gerät, ist für Heidel keine Überraschung: „Wenn das Gesamtergebnis nicht stimmig ist, muss man damit leben. Die Kritik müssen wir akzeptieren. Natürlich mache ich mir Sorgen. Aber es sind erst vier Spieltage vorbei. Noch haben wir in 30 Spielen die Möglichkeit, den schwachen Start zu korrigieren.“
Dafür müssen aber auch vermeintliche Leistungsträger, wie der mit großen Vorschusslorbeeren verpflichtete Sebastian Rudy, raus aus der Mitläuferrolle. Heidel verteidigt Rudy: „Nach drei Spielen kann man noch kein Urteil fällen. Das wäre verfrüht. Er hat sehr, sehr lange über so einen Zeitraum nicht gespielt. Sebastian muss noch ein bisschen mehr Fitness bekommen, dann kann er uns extrem helfen“.
Trainer Domenico Tedesco versuchte auch gestern, Ruhe und Souveränität zu vermitteln. Er sieht in dem Umstand, dass die Königsblauen aktuell das Schlusslicht sind, nur eine Momentaufnahme. „Die Tabellensituation ist keine Konstante, auf die wir schauen und sagen: jetzt sind wir noch unsicherer. In ein paar Wochen sieht die Tabelle wieder anders aus. Die Situation ist aber trotzdem negativ.“
Sie ließe sich mit Siegen in Freiburg und danach gegen Mainz und in Düsseldorf schnell entschärfen. Die Frage ist, ob Schalke endlich auf die Erfolgsspur findet und auch die Nerven mitspielen. Bisher ist es in keinem Bundesligaspiel Naldo und Co. gelungen, die 90 Minuten konzentriert über die Bühne zu bringen.
Glücklicher Sieg im Vorjahr
Ob Franco Di Santo zum Kader gehören wird, ließ Tedesco offen, genauso wie die Art seiner Bestrafung. Nach mehrfacher Entschuldigung des Stürmers ist für Tedesco das Thema erledigt.
Beim letzten Aufeinandertreffen in Freiburg hatte Schalke großes Glück und gewann mit 1:0. Daniel Caligiuri hieß der Torschütze, mittlerweile auch ein Sinnbild für schnelle Entwicklungen im Profifußball. In der vergangenen Saison wurde der 30-Jährige noch gefeiert und sogar für die deutsche Nationalelf ins Gespräch gebracht.
Jetzt, im September 2018, läuft der Außenbahnspieler seiner gewohnten Form weit hinterher. Auch bei ihm scheint das Nervenkostüm angeknackst. Deshalb darf man sehr gespannt sein, ob Christian Heidel heute „Gänsehautmomente“ der sportlichen Art von Schalkes Mannschaft zu sehen bekommt.

 

Foto: NBM (Archiv)

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