Rudi Assauer wird kein Ehrenbürger

Von Matthias Heselmann

Rudi Assauer hat in seinem Leben viel erreicht: Als Fußballer wurde er Europapokalsieger, als Manager holte er mit Schalke 04 den UEFA-Pokal, zwei DFB-Pokale, eine Fast-Meisterschaft und setzte sich mit der Veltins-Arena schon zu Lebzeiten ein Denkmal. Ehrenbürger seiner Heimatstadt Herten wird Rudi Assauer aber nicht.

Das entschied am Mittwoch der Rat der Stadt: In geheimer Abstimmung votierten 21 Lokalpolitiker gegen die Verleihung der Ehrenbürgerwürde, 17 stimmten dafür, zwei enthielten sich.

Damit war der Antrag von Hertens Bürgermeister Fred Toplak (parteilos) gescheitert. Das Stadtoberhaupt konnte seine Enttäuschung bei der Verkündigung des Ergebnisses nicht verhehlen: „Sehen Sie mir nach, dass ich die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentiere“, sagte Toplak schmallippig – wer den Bürgermeister kennt, ahnt jedoch, dass der Kommentar auf seiner Facebookseite nicht lange auf sich warten lassen wird.

Fred Toplak, vor einem Jahr als parteiloser Kandidat überraschend zum Hertener Bürgermeister gewählt, hatte die Idee gehabt, Rudi Assauer zum Ehrenbürger zu machen: Mitte September hatte er die Ratsfraktionen per E-Mail informiert und das Thema auf die Tagesordnung der Oktober-Ratssitzung gesetzt. Zu schnell, fanden viele Politiker und argumentierten, so ein Vorschlag hätte erst im Ältestenrat der Stadt diskutiert werden sollen: Bereits vor der Ratssitzung musste also befürchtet werden, dass sich ein „Nein“ in der Abstimmung weniger gegen Rudi Assauer, sondern vielmehr gegen das Vorgehen des Bürgermeisters richten würde.

Darüber hinaus, so hieß es, sei die Ehrenbürgerwürde in Herten etwas sehr seltenes: Lediglich „Herta“-Gründer Karl Schweisfurth und dem Altbürgermeister Willi Wessel sei diese Ehre nach dem Krieg zuteil geworden.

Anders sah das natürlich Rudi Assauers Tochter Bettina Michel: „Rudi hat diese Ehrung verdient.“ Das Herz ihres Vaters habe stets für ihre Heimatstadt geschlagen.

Bettina Michel und Rudi Assauers Zwillingsschwester Karin saßen auf der Zuschauertribüne, als der Rat abstimmte. Zu einer Diskussion über den Antrag kam es nicht, doch als SPD-Fraktionsschef Christian Bugzel eine geheime Abstimmung beantragte, war schon zu erahnen, dass es kein positives Votum geben würde. „Wir haben in der Fraktion lange diskutiert und sind zu keiner einheitlichen Meinung gekommen“, begründete Bugzel. Stefan Grave, CDU-Fraktionsvorsitzender, rief noch dazu auf, den Punkt ganz von der Tagesordnung zu nehmen, um „Schaden von Rudi Assauer abzuwenden“, doch sein Vorschlag fand kein Gehör: Der Rat entschied, Assauer wird kein Ehrenbürger.

Dass der Ex-Manager von dem ganzen Trubel etwas mitbekommt, ist allerdings unwahrscheinlich: Seit einigen Jahren ist Rudi Assauer bekanntlich an Demenz erkrankt.

Foto: NBM (Archiv)

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