Schalke nur kurz "rotzfrech"

Von Frank Leszinski

„Rotzfrech“ sollte seine Elf gegen die Bayern auflaufen – das forderte S04-Trainer David Wagner. Doch das war beim 0:3 lange nicht der Fall.

Dass es am Ende 3:0 (1:0) für den Deutschen Rekordmeister hieß, bei dem der alles überragende Robert Lewandowski für alle drei Tore verantwortlich war, hinderte die Schalker Fans nicht daran, ihre Mannschaft nach dem Spiel ausgiebig zu feiern. Nübel und Co. begaben sich sogar auf eine Ehrenrunde. „Die Kurve“, sagte Schalke-Trainer David Wagner nach der Partie, „ist immer ein guter Indikator“.

Doch streng genommen hatten die Gastgeber nur zwischen der 54. und 65. Minute den Bayern Paroli geboten. Erst mit der Einwechslung des jungen Ahmed Kutucu kam mehr Leben in das Schalker Spiel. In dieser Phase konnten die Bayern von Glück sagen, dass Schalke kein Treffer gelang. Und Pech kam bei den Gastgebern hinzu, weil die Handspiele von Benjamin Pavard und Ivan Perisic nicht mit Elfmetern geahndet wurden.

Schiedsrichter Marco Fritz stand zwar in Kontakt mit dem mittlerweile berühmt-berüchtigten Kölner Keller, doch die Regelhüter beschieden ihm in allen strittigen Situationen, dass keine Regelverstöße vorliegen würden. Deshalb verzichtete Fritz darauf, sich selbst ein Bild von den strittigen Szenen zu machen. Ein Fehler, wie er später zugab und die Uneinheitlichkeit in der Regelauslegung dokumentierte.

Dies löste nicht nur bei Schalke-Trainer David Wagner Kopfschütteln aus. „Wir hatten eine Schulung vor der Saison. Deshalb verstehe ich das nicht“, so der 47-Jährige. Selbst Bayern-Trainer Niko Kovac räumte ein, dass die Hand-Aktivitäten von Perisic beim Freistoß von Daniel Caligiuri durchaus mit einem Elfmeter hätten bestraft werden können.

Doch im Endeffekt waren die Schalker Offensivbemühungen ein viel zu kurzes Intermezzo, um die Bayern ernsthaft zu gefährden. Es war eigentlich wie immer in den letzten Jahren, wenn die Bayern zu Gast in der Veltins-Arena waren. Man hatte nie das Gefühl, als habe Schalke eine echte Chance.

Deshalb war es bezeichnend, dass Guido Burgstaller die Mutlosigkeit der eigenen Mannschaft in der ersten Halbzeit beklagte. „Wir wollten früher attackieren und das Stadion mitnehmen, aber uns sind viel zu viele Fehler im Spielaufbau unterlaufen“.

Was auch durch die Statistik belegt wurde. Die Bayern hatten zum Beispiel eine Passquote von 90,5 Prozent. Wer das als Gegner zulässt, braucht sich am Ende über das Ergebnis nicht zu wundern.

Noch mehr Sorgen muss Schalke aber die Tatsache machen, dass die Offensive eine erstreckende Harmlosigkeit ausstrahlt. Kein Wunder, dass Sportvorstand Jochen Schneider noch über eine Verpflichtung für den Sturm nachdenkt. Saisonübergreifend schafften die Königsblauen in den vergangenen fünf Bundesligaspielen gerade mal einen Treffer. Noch deprimierender ist die Heimbilanz. Auch wenn die Sommerpause dazwischen lag – dass der letzte Heimsieg vom 20. Januar (!) datiert (2:1 gegen Wolfsburg), ist ein Alarmsignal.

Am Samstag kommt Hertha BSC Berlin in die Arena. „Rotzfrech“ sollte Schalke dann länger auftreten als gegen die Bayern.

Foto: NBM

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