Schalkes Lage wird immer trostloser

Von Norbert Neubaum & Frank Leszinski

 

Wenn die sportliche Gegenwart trostlos ist, flüchten sich viele Fußballer in Zweckoptimismus. „Es kommt nicht so oft vor, dass unsere Fans nach einer Niederlage applaudieren. Sie haben gesehen, dass wir alles reingehauen haben“, sagte Schalkes neuer Mannschaftskapitän Daniel Caligiuri am Samstagabend.

Doch das reichte eben nicht, um die 0:2 (0:0)-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach zu verhindern. Schalke steht nach 20 Spieltagen im tabellarischen Niemandsland. Selbst Menschen, die die Welt durch die königsblaue Brille sehen, wissen nach der fünften Heimniederlage in dieser Saison, dass die Königsblauen mit großer Wahrscheinlichkeit in der nächsten Saison nicht international spielen werden. Neun Punkte Rückstand auf Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, dürften nicht mehr aufzuholen sein.


Kein Wunder, dass Ralf Fährmann mit Leichenbitter-Miene durch die Katakomben der Veltins-Arena schlich. Dass der zur Nummer zwei degradierte Torhüter gegen Gladbach sein Comeback feierte, hatte er Alexander Nübel zu „verdanken“. Der junge Schlussmann sah zum ersten Mal in seiner Karriere nach einer Notbremse gegen Thorgan Hazard die Rote Karte und ist für mindestens das nächste Bundesligaspiel in München gesperrt.

Fährmann nahm den U21-Nationaltorhüter jedoch in Schutz: „Es ist ein Reifeprozess für Alex. In dieser Situation musst du rauskommen, Hazard macht das gut.“

Nübels Mitspieler agierten hingegen zuvor beim Gladbacher Freistoß von Lars Stindl, der Hazard bediente, amateurhaft. Zwar wurde der Freistoß, über den sich die Königsblauen heftig echauffierten, zwölf Meter vor dem Ort des Foulspiels von Salif Sané ausgeführt, aber niemand fühlte sich von den Gastgebern zuständig, dies zu verhindern.

„Sicherlich müssen wir da über das Blocken und das rechtzeitige Zurückfallen sprechen“, räumte Trainer Domenico Tedesco ein, um dann jedoch zu betonen: „Aber unabhängig davon: Wenn der Freistoß zwölf Meter weiter hinten ausgeführt wird, musst du auch nicht so blocken. So einfach ist das.“

Mönchengladbach nutzte die numerische Überlegenheit und schlug in der Schlussphase zweimal durch Tore von Christoph Kramer (85.) und Florian Neuhaus (90.) eiskalt zu. Dass der eingewechselte Neuzugang Rabbi Matondo beim Gladbacher Führungstreffer mit der Defensivarbeit überfordert war, machte die Schalker Tristesse perfekt.

Am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf gibt es zumindest die Chance, in diesem Wettbewerb für positive Schlagzeilen zu sorgen. Dann wird erneut Fährmann im Schalker Tor stehen, was Tedesco unabhängig von der Roten Karte für Nübel ohnehin geplant hatte.

Vielleicht wird nach dieser Partie auch mal wieder Christian Heidel Rede und Antwort stehen. Denn der Sportvorstand zog es vor, wie schon beim Spiel in Berlin zu schweigen. So geht man kritischen Nachfragen am einfachsten aus dem Weg.

Foto: NBM (Archiv)

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