Schalkes neue Stärke bei Standards

Von Frank Leszinski

Es lief die 90. Minute im Spiel zwischen Schalke 04 und dem 1. FC Köln. Eckball für Schalke, den Bastian Oczipka hereinbrachte. Naldo war zur Stelle und köpfte nur ganz knapp am Kölner Tor vorbei. Fast hätten die Königsblauen aus einer Standardsituation wieder ein Tor gemacht. Dies ist ihnen im bisherigen Saisonverlauf so oft gelungen wie keiner anderen Bundesligamannschaft.

Von den 22 Treffern, die die Blau-Weißen an bisher 14 Spieltagen erzielten, wurden elf nach einem Standard (Ecken, Freistöße, Einwürfe und Elfmeter) erzielt. Das ist eine Quote von 50 Prozent und damit ein Top-Wert für einen Bundesligisten. Nur Hertha BSC Berlin hat eine ähnlich gute Quote.

In der Vorsaison unter Trainer Markus Weinzierl war das noch ganz anders. Da waren die Königsblauen bei ruhenden Bällen an Harmlosigkeit kaum zu übertreffen.

Ein Faktor für diese wiederentdeckte Schalker Stärke bei Standards ist die akribische Trainingsarbeit von Domenico Tedesco. Vor allem in den nicht öffentlichen Einheiten legt der Schalker Trainer großen Wert auf das Üben von Flanken, Ecken und Freistößen. Daniel Caligiuri von der rechten und Bastian Oczipka von der linken Seite sind dann gefordert, Flanken in den Strafraum zu schlagen.

Einer ihrer wichtigsten Abnehmer ist Naldo. Der Schalker Abwehrchef gehört zu den kopfballstärksten Spielern der Bundesliga. Borussia Dortmund bekam das zuletzt beim historischen 4:4 im Derby zu spüren, als Naldo per Kopf in der Nachspielzeit der Schalker Ausgleich gelang.

Für Leon Goretzka kommt die wiederentdeckte Standard-Stärke der Schalker nicht überraschend. „Rückblickend finde ich es eher verwunderlich, dass wir in der Vergangenheit so wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht haben“, sagte der Nationalspieler, der betonte: „Wir haben auch im vergangenen Jahr Standards trainiert.“

Schalke verfüge sowohl über „Spieler, die bei Standards im Strafraum stark sind“ wie zum Beispiel Naldo, als auch über Profis, „die die Standards präzise ausführen können“, so Goretzka, der dabei besonders an seine Mannschaftskollegen Oczipka und Yevhen Konoplyanka denkt.

Dass Schalke bei Standards so stark geworden ist, bleibt ein bisschen kurios, weil mit dem Wechsel von Johannes Geis zum FC Sevilla ausgerechnet der Spieler ausgeliehen wurde, dem man die größten Fähigkeiten bei ruhenden Bällen nachsagte. Doch ohne Geis sind die Königsblauen bei Standards gefährlicher als mit ihm.

Der Mittelfeldspieler scheint übrigens beim FC Sevilla nun endlich Fuß gefasst zu haben. Nachdem er zu Beginn seiner Ausleihe oft nicht einmal im Kader bei Pflichtspielen stand, absolvierte der 24-Jährige nun für den FC Sevilla sein viertes Meisterschaftsspiel in Folge über 90 Minuten. Beim 2:0-Erfolg gegen Deportivo La Coruna wusste Geis erneut zu überzeugen. Im Gegensatz zu seinen Bundesligazeiten, wo er hauptsächlich im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kam, bekleidete der Blondschopf beim FC Sevilla jeweils die Position des Innenverteidigers. Seine Ausleihe läuft bis zum 30. Juni 2018, auf Schalke ist sein Kontrakt bis zum 30. Juni 2019 datiert.

Foto: NBM

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