Sieg dank des „Frühstart-Faktors“

Von Matthias Heselmann

Als echte „Frühstarter“ erwiesen sich die Fußballer vom FC Schalke 04: Mit 3:1 (1:1) besiegten die Königsblauen den VfB Stuttgart – alle Schalker Tore fielen kurz nach Anpfiff der ersten beziehungsweise zweiten Halbzeit. Nach einem schwachen ersten Durchgang zeigte sich Schalke nach der Pause stark verbessert und siegte letztendlich verdient.

Guido Burgstaller oder Franco Di Santo – so hatte die Frage nach dem Schalke-Stürmer vor der Partie gelautet. Die verblüffende Antwort gab es vor dem Anpfiff mit Blick auf die Aufstellung und sie lautete: Keiner von beiden. Trainer Domenico Tedesco hatte Max Meyer ins Sturmzentrum beordert, die beiden etatmäßigen Stürmer Guido Burgstaller und Breel Embolo nahmen zunächst auf der Bank Platz, genauso wie Daniel Caligiuri. Franco Di Santo stand gar nicht erst im Kader.

Vor dem Spiel zeigten sich die Fans unzufrieden mit der aktuellen Transferpolitik. Mit drei Transparenten übten die Ultras scharfe Kritik an Manager Christian Heidel: „70 Mio. ausgegeben und dabei 70% der Identität verloren“, „Identitätsverlust stoppen – Knappenschmiede stärken“ und „Die Wurzeln achten und nicht vernichten“ war da zu lesen, gleichzeitig gab es „Benedikt Höwedes“-Sprechchöre. Den plötzlichen Wechsel des Ex-Kapitäns zu Juventus Turin hatten viele Fans der Vereinsspitze nicht verziehen.

Etliche Zuschauer in der Arena hatten noch gar nicht Platz genommen, da konnten sie schon jubeln. Amine Harit war im Strafraum vom Stuttgarter Orel Mangala zu Fall gebracht worden (2.). Schiedsrichter Frank Willenborg ließ zunächst weiterspielen, bekam dann jedoch ein Signal vom Videoschiedsrichter, der ein Foul gesehen hatte. Nach kurzer Beratung deutete Willenborg dann doch auf den Punkt. Genau wie gegen Leipzig trat Nabil Bentaleb an und hatte Glück, dass sein schwach geschossener Elfmeter unter Torwart Ron-Robert Zieler durchrutschte – 1:0 (4.).

„Wir wollen mutig nach vorne spielen“, hatte Tesdesco vor dem Spiel die Marschroute vorgegeben – seinen Spielern sah man aber nicht an, dass sie das auch umsetzen wollten. Schalke ließ Stuttgart kommen – außer einer Weitschuss-Chance von Leon Goretzka (9.) und einer schönen Kombination über Meyer, Goretzka und Yevhen Konoplyanka (25.) brachte die Offensive der Königsblauen nicht viel zustande, in der Defensive machten die Schalker einen geradezu pomadigen Eindruck.

Stuttgart wurde dagegen immer stärker. In der 38. Minute verfehlte Simon Terodde das Tor noch, in der 41. kassierte Schalke dann den Ausgleich. Josip Brekalo durfte, unbehelligt von Matija Nastasic und Bentaleb, in den Strafraum flanken, dort schauten Naldo und Thilo Kehrer zu, wie Chadrac Akolo das verdiente 1:1 für die Schwaben erzielte.

Mit lauten Pfiffen von den Rängen ging es in die Pause, und auch Domenico Tedesco schien nicht angetan mit den Leistungen seiner Mannschaft. Der schwache Meyer und Nabil Bentaleb blieben in der Kabine, dafür kamen Guido Burgstaller und Daniel Caligiuri.

Welche Worte Tedesco auch immer in der Kabine gefunden hatte, es waren die richtigen, denn nach nur drei gespielten Minuten in Hälfte zwei stand es 3:1 für Schalke. In der 47. Minute beschenkte Naldo sich selbst zum 35. Geburtstag und köpfte einen Freistoß von Bastian Oczipka ins Netz. Der Jubel war noch nicht verklungen, da rechtfertigte Burgstaller seine Einwechslung: Nach feinem Doppelpass mit Harit stand der Österreicher frei vorm Tor und lupfte den Ball überlegt über Zieler hinweg – 3:1 (48.).

Damit hätten wohl selbst die größten Optimisten nach der ersten Halbzeit nicht gerechnet. Die Gäste reagierten geschockt – anders als im erste Durchgang schaffte der VfB es nicht mehr, Schalke entscheidend unter Druck zu setzen. Schalke lauerte auf Konter – vor allen in Person von Guido Burgstaller, der in der 77. Minute aus spitzem Winkel das 4:1 auf dem Fuß hatte. Zwei Minuten später donnerte Naldo einen Freistoß aus 35 Metern knapp am Winkel vorbei. In der 82. Minute wäre der eingewechselte Weston McKennie fast zu seinem ersten Profitor gekommen, doch seinen Kopfball konnte Zieler festhalten.

Am Ende brachte Schalke das 3:1 ungefährdet über die Zeit – und kann sich über die Momentaufnahme freuen, für zumindest eine Woche in der Tabelle vor dem FC Bayern zu stehen.

Foto: NBM

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