Tedesco steht im Regen

Von Norbert Neubaum

Das geschlossene Arena-Dach hatte eine undichte Stelle – ausgerechnet über der Coaching-Zone von Domenico Tedesco prasselte es unaufhörlich nieder. Keine Frage: Schalkes Trainer stand bei der 0:2 (0:1)-Niederlage gegen den FC Bayern München im Regen.

Daran hat sich – im übertragenen Sinne – nichts geändert. Null Punkte nach vier Spielen lassen nun auch S04- Manager Christian Heidel mulmig auf die Tabelle schauen: „Wir müssen jetzt den Reset-Knopf drücken und punkten. Das ist allen klar.“

Wer Schalke gegen die Bayern spielen sah und danach gut zuhörte, kam nicht unbedingt zu der Erkenntnis, dass jedem der Ernst der Lage schon bewusst ist. Sebastian Rudy beispielsweise fand, „dass wir in der ersten Halbzeit gut drin waren“, obwohl Schalke vom Rekordmeister, der das Bällchen mitunter wie im Training laufen ließ, größtenteils an die Wand gespielt worden war. Tedesco gab zwar zu, „dass uns in den ersten zehn Minuten die Bälle nur so um die Ohren geflogen sind“, fand seine Mannschaft dann aber „stabil“ – eine fragwürdige Interpretation der totalen Schalker Unterlegenheit. Und dass Heidel lobte, „dass wir kein Tor aus dem Spiel heraus kassiert haben“, könnte man auch als Bonmot verbuchen – denn das war nun wahrlich nicht Schalkes Verdienst, sondern der Tatsache geschuldet, dass James und Co. mit vielen Top-Chancen großzügig umgingen.

Außerdem lässt es sich gegen den Vize-Meister seit Beginn dieser Saison ja auch per Standardsituation gut treffen: Das 0:1 fiel nach einer Ecke, bei der Rudy nicht auf der Höhe war und James, eher kein Kopfball-Ungeheuer, einköpfen konnte (9.). Zum dritten Mal in dieser Saison hatten sich die Schalker Standard-Könige der Vorsaison nach einer Ecke überrumpeln lassen. „Das müssen wir schleunigst abstellen“, warnt Torhüter Ralf Fährmann vor einer Fortsetzung der Serie.

Als Schalke mit Beginn der zweiten Hälfte endlich ein wenig mutiger wurde und sich durch einen Embolo-Kopfball zumindest auch mal eine Chance erarbeiten konnte, lieferte Alessandro Schöpf einen Beleg dafür, warum Schalke aktuell verdient Schlusslicht ist. Sein ungeschicktes Einsteigen gegen James wurde mit Elfmeter geahndet – den verwandelte Robert Lewandowski zum 0:2 (64.). Das war’s, nun konnten die Bayern ihr Schaulaufen auch ohne Ergebnis-Druck bis zum Ende durchziehen.

„Harte Arbeit“ sei das Spiel gewesen, gab Bayerns Trainer Niko Kovac gastfreundlich zu Protokoll – wenn dem so war, sah man es dem Münchner Star-Ensemble, bei dem die Ex-Schalker Leon Goretzka und Manuel Neuer mit moderaten Pfiffen begrüßt wurden, jedenfalls nicht an. Selten war eine Bayern-Mannschaft auf Schalke so – fast schon erschreckend – souverän.

Morgen spielt Schalke in Freiburg. Um die Einstellung des „Start-Rekords“ mit fünf Niederlagen am Stück von vor zwei Jahren zu vermeiden, muss Domenico Tedesco Lösungen finden. Sonst steht er nicht nur im Regen – dann zieht auch Sturm auf.

Foto: NBM (Archiv)

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