Tedesco und sein Luxusproblem

Von Frank Leszinski

Was haben Domenico Tedesco und Sören Kierkegaard gemeinsam? Die Ansicht, dass der Beginn des Vergleichs das Ende des Glücks bedeute. Diese Meinung des dänischen Philosophen zitierte gestern nämlich der Schalker Trainer, als er gebeten wurde, die Qualitäten der Kader von RB Leipzig und Schalke 04 zu vergleichen.

Tedesco wollte sich darauf nicht einlassen, weil Schalke 04 wie jeder andere Fußballverein eine eigene Identität besitze. Diese gelte es mit Leben zu füllen und weiterzuentwickeln, was dem 32-Jährigen nach einer sehr erfolgreichen Hinrunde, die Schalke bis auf Platz zwei führte, sehr eindrucksvoll gelungen ist. Am Samstag (18.30 Uhr) in Leipzig wollen die Königsblauen ihren Erfolgsweg fortsetzen, wohlwissend, dass sie eine sehr schwere Aufgabe erwartet.

„Das ist eine Top-Mannschaft, die sehr viel Tempo auf den Platz bringt, kreativ spielt und immer wieder für Überraschungsmomente gut ist“, lobte der Schalker Trainer den nächsten Gegner. Dass Leipzig in den letzten fünf Bundesligaspielen kein Sieg gelang, spielt für Tedesco keine Rolle. „Ergebnisse sind das eine, aber man muss auch sehen, dass Leipzig in der vergangenen Saison nicht umsonst Deutscher Vize-Meister war. Sie verfügen über große Qualitäten.“

Diese kamen beim Hinspiel jedoch nicht zum Tragen, weil Schalke mit einer glänzenden taktischen und disziplinierten Leistung die schnellen Leipziger nicht ins Spiel kommen ließ und mit 2:0 die Oberhand behielt. Solch einen Auftritt wünscht sich Tedesco auch in Leipzig von seiner Mannschaft, die seit 13 Pflichtspielen ungeschlagen ist. Dabei hat er das Luxusproblem, ob er dem bewährten Personal vertraut, oder schon einem in der Winterpause verpflichteten Neuzugang den Vorzug gibt.

Nach den letzten Trainingseindrücken dürfte Juve-Leihgabe Marko Pjaca der erste Kandidat für einen Startelfeinsatz sein. Der Kroate hatte überhaupt keine Integrationsprobleme und war beim Testspielsieg gegen Genk (2:1) nicht nur wegen seines Tores einer der auffälligsten Schalker Spieler. Pjaca sucht mit seinem Tempo und seiner Robustheit schnell den Weg in die Spitze, genauso wie es sich der Schalker Trainer vorstellt. Der 22-Jährige versteht auch schon einige Worte Deutsch. Sein Ziel ist es, so schnell wie möglich alle wichtigen Begriffe zu lernen. „Marco ist eine Option von vielen. Wir sind froh, dass er da ist“, deutete Tedesco an, dass er sich einen Einsatz der neuen Offensivkraft von Beginn an durchaus vorstellen kann.

Der seit Saisonbeginn nicht mehr zum Profikader gehörende Donis Avdijaj soll in der Winterpause ausgeliehen werden. Das Transferfenster ist noch bis zum 31. Januar geöffnet. „Er braucht Spielpraxis auf möglichst hohem Niveau“, so Manager Christian Heidel. Die Tendenz geht zu einem Klub im Ausland. Im Gespräch ist Roda Kerkrade.

Auch Fabian Reese und Bernard Tekpetey könnten aufgrund der neuen Konkurrenzsituation im Angriff für eine Ausleihe noch infrage kommen. Was Zugänge betrifft, ist Abdul Rahman Baba vom FC Chelsea bei den Königsblauen weiterhin ein Thema. Sollte Chelsea Bereitschaft zu einer Ausleihe signalisieren, kann es schnell gehen. Heidel: „Die Gespräche mit dem Spieler würden keine Stunde dauern.“

Foto: NBM

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