Tönnies' Zukunft auf Schalke hängt vom Ehrenrat ab

Wer keine Probleme hat, der macht sich welche: Mitten in eine bis dahin relativ geräuschlose Schalker Sommer-Vorbereitung platzte ausgerechnet der S04-Boss mit seinen mittlerweile in ganz Deutschland rauf und runter diskutierten Äußerungen über „die Afrikaner“. Die Sache ist – natürlich – noch nicht ausgestanden.

Am Montag wird sich der Schalker Ehrenrat mit den Rassismus-Vorwürfen gegen den Schalker Aufsichtsrats-Chef befassen. Clemens Tönnies selbst wird angehört und hat sein persönliches Erscheinen offenbar auch schon zugesagt.

Was ist das für ein Gremium, das nun über die Schalke-Zukunft von Clemens Tönnies entscheidet?

Der Ehrenrat besteht aus fünf aktiven oder passiven, über 30 Jahre alten Mitgliedern, die mindestens fünf Jahre dem Verein angehören. Mindestens zwei Mitglieder müssen die Befähigung zum Richteramt haben. 

Dieses Gremium ist so etwas wie die Schalker „Ethik-Kommission“. Der Ehrenrat kann von sich aus tätig werden oder wenn er von Vereins-Mitgliedern dazu aufgefordert wird. Im aktuellen, spektakulären „Fall Tönnies“ ist die Aktivierung des Ehrenrates von beiden Seiten erfolgt... 

Der Ehrenrat wird von der Mitgliederversammlung gewählt, zuletzt bei der Versammlung am 30. Juni 2019. Die Mitglieder des aktuellen Schalker Ehrenrates sind Prof. Dr. Klaus Bernsmann, Leiter des Lehrstuhls für Straf-und Prozessrecht an der Ruhr-Universität Bochum; Götz Bock, Richter am Hessischen Finanzgericht; Hans-Joachim Dohm, Evangelischer Pfarrer im Ruhestand; Bernhard Terhorst, Steuerberater, und Kornelia Toporzysek, Richterin am Oberlandesgericht Düsseldorf.

Vor diesen fünf Personen wird sich Clemens Tönnies also erklären müssen – die Satzung gibt dem Ehrenrat sogar das Recht, Mitglieder vom Verein auszuschließen – was im „Fall Tönnies“ allerdings recht unwahrscheinlich ist, schließlich ist Schalkes Aufsichtsratchef zum ersten Mal „auffällig“ geworden und hat sich ja auch sofort für seine Aussage entschuldigt.

Wahrscheinlich ist eine deutliche Ermahnung für Tönnies – in etwa vergleichbar mit einer Abmahnung, wäre er ein Schalker Angestellter. Clemens Tönnies ist sicherlich der prominenteste Schalker, der vor den Ehrenrat der „Königsblauen“ muss.

Ungewöhnlich ist es allerdings nicht, dass es auch einen der „Großkopferten“ erwischt. So mussten sich noch 2016 zwei Aufsichtsratsmitglieder dem Ehrenrat stellen, u. a. ging es dabei um einen unterstellten Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht.

Es bleibt also dabei: Schweigen ist manchmal eben doch Gold...

Foto: NBM

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