Trauerfeier für Rudi Assauer

Die Trauerfeier für Rudi Assauer gleicht einem Staatsakt. Prominente und Fans aus ganz Deutschland erweisen der Schalker Manager-Legende eine würdige und emotionale letzte Ehre.

Wie gut, dass auch Dieter Burdenski zu den Trauer-Rednern gehört. Der als Vertreter von Werder Bremen in die St. Urbanus-Kirche gekommene frühere Torwart und Mitspieler von Rudi Assauer schildert seine Erinnerungen aus der Perspektive, die der Schalker Manager-Legende wohl am liebsten gewesen wäre – aus der eines Fußball-Profis: „Die wenigsten wissen ja, dass Rudi, wenn er als Manager einen Trainer rausgeschmissen hatte, sich danach auch selbst auf die Bank gesetzt hat und Trainer war. Und was für einer. Wir hatten mit Werder drei Mal hintereinander 0:4 verloren, da sagte Rudi am Abend vor dem nächsten Spiel: ,Es muss sich was ändern. Wir trinken jetzt alle einen doppelten Fernet!‘ Das haben wir gemacht, auch der protestierende Masseur musste. Und es hat sich tatsächlich was geändert: Danach haben wir 0:7 verloren.“

Es darf, es muss vielleicht auch mal geschmunzelt werden bei der Trauerfeier, bei der viele Fans und nicht nur Fußball-Prominente aus ganz Deutschland Abschied nehmen von einem „Pfundskerl“, wie Dr. Reinhard Rauball den Verstorbenen beschreibt.

Nebentrauerfeier dem DFL- und BVB-Repräsentanten Dr. Rauball hat sich das „Who is Who“ des deutschen Fußballs versammelt, um Rudi Assauer die letzte Ehre zu erweisen. Unmöglich, alle zu erwähnen:

Uli Hoeneß, Hans-Joachim Watzke, Toni Schumacher, Rudi Völler, „Fummel“ Wehmeyer aus Hamburg, Heribert Bruchhagen, Siggi Held und Horst Heldt sind da, von Schalke nicht nur die aktuelle Mannschaft, sondern auch nahezu die kompletten „Eurofighter“, die Rudi Assauer zusammen gestellt hat. Marc Wilmots, Johan de Kock, Youri Mulder, Jiri Nemec, Olaf Thon, Mike Büskens, Marco van Hoogdalem, Hubert Neu, Eddy Achterberg; sogar Augsburgs neuer Co-Trainer Jens Lehmann ist trotz des Freitagabend-Spiels seiner Mannschaft gegen die Bayern erschienen. Angeführt wird die Truppe, natürlich, von Huub Stevens.

Wenn Rudi Assauer ruft, zum letzten Mal, sagt man nicht Nein.

Die größte Kirche in Gelsenkirchen ist mit 1.200 Besuchern gefüllt bis auf den letzten Platz. Darunter auch Polit-Prominenz wie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski sowie – nach den Irrungen und Wirrungen rund um Rudi Assauers Beisetzung ein versöhnliches Signal – Assauers langjährige Lebensgefährtinnen Beate Schneider und Simone Thomalla mit Tochter Sophia und Rudi Assauers Töchter Bettina Michel und Kathy.

In dem gut einstündigen ökumenischen Gottesdienst, der live in die Veltins-Arena übertragen wird, ist (endlich) kein Platz mehr für Zwietracht, es wird in Würde und mit großen Emotionen Andacht gehalten. Nicht nur an einen wohl einzigartigen Typen, sondern auch an die Zeit, die er geprägt hat. Der wohl häufigste Satz, der im Gespräch mit Wegbegleitern Assauers fällt, ist ein wehmütiger: „Das wird es so nicht mehr geben.“

Gemeint ist die Intensität, die Leidenschaft, die Nähe, die Assauer verkörperte und zuließ – seine Aussagen waren nicht dreimal chemisch gereinigt; wenn die Schalker Pressestelle „bedrohliche“ Passagen in einem Interview vor der Autorisierung mit ihm herausgestrichen hatte, rief er kurz danach in der Redaktion an: „Schreib das genau so, wie ich es gesagt habe.“ Und dann setzte er am Telefon oft noch einen drauf...

Auch Propst Markus Pottbäcker ahnt, dass die Tränen, die nicht nur verstohlen vergossen werden, auch einer mit Assauer zu Ende gehenden Zeit gelten: „Vielleicht ist es das letzte Mal, dass wir von so einer Persönlichkeit Abschied nehmen. Denn viele davon gibt es nicht mehr.“

Was Schalke nicht daran hinderte, sich 2006 von Assauer zu trennen. Und wer dem langjährigen „Schalke-Pfarrer“ Hans-Joachim Dohm genau zuhörte, wird in dessen Rede eine subtile Kritik am damals wenig sensiblen Vorgehen des Aufsichtsrates erkannt haben: „Wir müssen uns fragen, ob wir ihm die emotionale Betroffenheit, die Rudi im Umgang mit notleidenden Menschen hatte, auch haben zuteil werden lassen.“ Ein Satz zum Nachdenken: Denn angeblich waren Anzeichen von Assauers Alzheimer-Erkrankung zu jener Zeit ja schon zutage getreten.

Als die Trauergemeinde nach dem vom Knappenchor unterstützten Singen des Vereinsliedes „Blau und Weiß“ die Kirche verlässt, murmelt ein Fan: „Wie ein Staatsakt.“

Na und? Dem Gewürdigten hätte es, warum auch nicht, gefallen. Zurück bleibt ein großes Bild von Rudi Assauer neben dem von Kränzen fast überfluteten Altar: Zigarre im Mund, den Uefa-Cup auf der rechten Schulter, schlitzohrig lachend.

Typisch Assauer.

Foto: Schalke 04/Karsten Rabas

« Vorherige Seite

Kommentare

Um Kommentare zu schreiben, bitte einloggen oder bei www.buer-total.de anmelden.