Treuepunkte für Tedesco

Von Frank Leszinski

Ausgerechnet Düsseldorf war der Ort, an dem am Montag zumindest über die kurzfristige berufliche Zukunft von Schalkes Trainer Domenico Tedesco entschieden wurde. Ausgerechnet – gegen die Fortuna hatte es am Samstag das 0:4-Debakel gegeben, das Tedesco den Job hätte kosten können.

Aber entgegen der allgemeinen Tendenz, dass Tedesco sofort seinen Spind leerräumen müsste, gab es nach einer Sitzung des Schalker Aufsichtsrates mit dem neuen Sportvorstand Jochen Schneider eine dann doch überraschende Entscheidung: Tedesco darf vorerst bleiben, ist aber buchstäblich noch nicht aus dem Schneider.


Vier Stunden lang tagten die Schalker „Würdenträger“ unter dem Vorsitz von Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönneis im „Maritim-Hotel“ am Düsseldorfer Flughafen – offiziell ging es in der außerordentlichen Sitzung um das Kennenlernen von Jochen Schneider. Der kann aus formellen Gründen zwar erst am 14. März offiziell sein neues Amt antreten, wird aber am Dienstag bereits in einer Pressekonferenz präsentiert.

Beim ersten „Date“ mit dem kompletten Aufsichtsrat konnte es aber natürlich nicht bei netten Begrüßungs-Plaudereien bleiben – die sportliche Lage, die sich am Wochenende deutlich verschärft hatte, zwang zu ernsthaften Gesprächen über Tedesco.

Nach Informationen von Buer Total gab es im Aufsichtsrat Stimmen, die eine sofortige Trennung von dem Trainer befürwortet hätten. Aber der neue sportliche Boss ist Jochen Schneider – und er soll zumindest einen vorläufigen Verbleib von Tedesco bevorzugt haben. Aus Schneiders Sicht ist das nachvollziehbar – denn als erste Amtshandlung direkt den Trainer zu entlassen hatte sich vorher schon Christian Heidel mit André Breitenreiter getraut. Ein schlechtes Omen?

Am Freitag in Bremen wird Domenico Tedesco also noch auf der Bank sitzen – im Falle einer erneuten Niederlage wird er seine nun erhaltenen neuen Treuepunkte aber wohl schon wieder verloren haben. Denn dann muss sich Schalke tatsächlich darauf einstellen, ganz tief in den Abstiegskampf verwickelt zu werden. Auf den Relegationsplatz sind es nach dem Stuttgarter Sieg gegen Hannover ohnehin nur noch vier Punkte Abstand.

Tedesco gab sich selbst nach der Schmach gegen Düsseldorf kämpferisch. Mehrmals wies er darauf hin, „dass ich mich nicht verpissen werde“. Allerdings muss er nun Lösungen finden, wie er das zu sinken drohende Schiff erst über Wasser und dann wieder auf Kurs bringen will.

Das Problem: Tedesco hat kaum noch Möglichkeiten, weil er in dieser Saison schon alles ausprobiert hat. Ständige Personal- und Taktikwechsel haben die Mannschaft allerdings weder stärker gemacht noch stabilisiert, sondern sie immer weiter geschwächt. Tedesco hat sich in seiner zweiten Schalke-Saison verzettelt und muss nun wieder Ordnung in dieses auch durch ihn entstandene Wirrwarr bringen.

Falls nicht, muss möglicherweise der Schalker „Notfall-Plan“ greifen, der in der öffentlichen Diskussion – schon vor der Verpflichtung Jochen Schneiders – die „üblichen Verdächtigen“ wie Mike Büskens, Huub Stevens oder Marc Wilmots als Interimslösungen vorsehen soll. Mit Aufsichtsrats-Mitglied Stevens hat sich Tedesco in den vergangenen kritischen Tagen übrigens ausgetauscht.

Peter Neururer hält den abgestürzten Vizemeister Schalke jedenfalls für die „größte Enttäuschung in der Bundesliga seit 20 Jahren“. Das erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Neururer könnte notfalls zu Fuß kommen, um Schalke ein zweites Mal vor dem Abstieg zu retten – er wohnt ganz in der Nähe der Arena...

Foto: NBM

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