Wie David Wagner Schalke besser machen will

Von Frank Leszinski

Bevor der neue Schalker Trainer erstmals das Wort ergriff, musste David Wagner etwas Geduld mitbringen. Denn zunächst listete Sportvorstand Jochen Schneider am Donnerstag bei der Vorstellung der neuen Sportlichen Leitung neben Michael Reschke (Technischer Direktor) und Sascha Riether (Koordinator der Lizenzspielerabteilung) all die Personen auf, die zusätzlich zukünftig für den FC Schalke 04 arbeiten werden. Und das sind eine ganze Menge.


Zwei neue Co-Trainer arbeiten mit Christoph Bühler und Frank Fröhling an Wagners Seite. Daneben wird Matthias Kreutzer ebenfalls weiter als Co-Trainer arbeiten und künftig auch als Spiel- und Videoanalyst tätig sein. Sascha Lense wird das Team als Sportpsychologe verstärken, Massimo Mariotti arbeitet ab sofort im Bereich Integration und Betreuung neuer Spieler. Und im administrativen Bereich ist René Grotus verpflichtet worden, der das Aufgabengebiet des ausscheidenden Axel Schuster übernimmt.

Damit nicht genug. Schneider will auch noch Mike Büskens, in welcher Form auch immer, einbinden. „Ich hoffe, dass wir möglichst rasch zu einem positiven Ergebnis kommen, weil er eine besondere Bedeutung für den Verein hat“, betonte der Schalker Sportvorstand. Und auch für den Fitnessbereich und das Scouting wird es noch zusätzliches Personal geben.


Wenn sich ein Bundesligist zu solch einschneidenden Maßnahmen gezwungen sieht, muss in der vergangenen Saison viel schiefgelaufen sein. Das gibt auch der neue Hoffnungsträger David Wagner zu, aber er wollte die Vergangenheit nicht zu sehr in den Fokus rücken. Sein Motto heißt: weniger reden, mehr malochen. Eine Philosophie, die perfekt zum FC Schalke 04 zu passen scheint, wenn sie in Zukunft auch die entsprechenden Ergebnisse auf dem Fußballplatz beinhalten.


Ein Saisonziel wollte Wagner partout nicht definieren. „Dann würde ich uns ja limitieren, wenn es besser läuft, als ich im Vorfeld gesagt habe“, begründete der 47-Jährige seine plausible Argumentation. Denn nach der katastrophalen letzten Saison verbieten sich Träume von sportlichen Höhenflügen, zumal aktuell auch noch gar nicht klar ist, mit welchem Personal Wagner arbeiten kann.


Sicher ist nur, dass sich das Trio Hamza Mendyl, Yevhen Konoplyanka und Nabil Bentaleb neue Vereine sucht und der Wechsel von Breel Embolo zu Borussia Mönchengladbach wohl bald verkündet wird. Schneider: „Noch sind einige Details zu klären“.


Primäres Ziel von Wagner ist es erst einmal, der Mannschaft wieder Teamgeist und Mentalität zu verordnen. „Die Lust auf Arbeit“, so Wagner, gelte es zu fördern. Wie es um das Innenleben seiner neuen Truppe bestellt war, davon erhielt Wagner reichlich Kenntnis durch Gespräche mit Huub Stevens, der auch nach seiner Rückkehr in den Aufsichtsrat ein wichtiger Gesprächspartner bleiben soll.


Das gilt in noch verstärktem Maße für Sascha Riether, dem neuen Koordinator für den Lizenzspielerbereich, der Wagner entlasten soll bei den zahlreichen Aufgaben, die auf ihn zukommen. „Es war für mich klar, dass ich sofort Ja sage. Ich freue mich riesig, diese Arbeit aufzunehmen. Ich werde den Trainer und die Mannschaft unterstützen und immer Bindeglied zu den Verantwortlichen sein“, sagte Riether, der nicht damit gerechnet hatte, nach Beendigung seiner Karriere so schnell im Profifußball Fuß fassen zu können.


Michael Reschke verfügt dagegen über einen großen Erfahrungsschatz. In Leverkusen und München leistete der 61-Jährige gute Arbeit, in Stuttgart scheiterte er jedoch, wohl auch, weil er als Sportvorstand neben seiner Kernkompetenz als Kaderplaner mit zusätzlichen Aufgaben überfordert war.

Gerade seine öffentlichen Auftritte waren nicht immer glücklich. Reschke scheint das eingesehen zu haben, denn er kündigte gestern unmissverständlich an, dass er sich öffentlich nur selten äußern will. Schon gar nicht zu Personalfragen, so dass er die Frage nach der angeblichen Schalker Einigung mit VfB-Talent Ozan Kabak nur mit einem Lächeln quittierte.


Vielleicht wird im Rahmen der Schalker Mitgliederversammlung der eine oder andere Neuzugang verkündet. Das hat fast schon Tradition. Der umworbene Düsseldorfer Benito Raman wäre ein Kandidat. Der Belgier hatte zuletzt erklärt, am Freitag auf Schalke den Medizincheck machen zu wollen. „Von uns aus darf er das gerne tun. Aber ob er wirklich darf, müssen Sie Fortuna Düsseldorf fragen. Aktuell gibt es keine finale Lösung“, so Schneider auf eine entsprechende Frage.


Es bleiben also rund um Schalke noch viele Dinge zu klären. Sicher ist indes, dass es auch unter Wagner mehr öffentliche als nicht-öffentliche Trainingseinheiten geben wird. Wobei, wer die Einheiten zuletzt regelmäßig sah, bekommt Zweifel, ob das eine gute Nachricht ist.

Foto: Heselmann

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