Abschied mit einem weinenden Auge

Von Matthias Heselmann

Eine kleine Träne musste sie sich dann doch verdrücken. „Das waren fünf Jahre, die mir persönlich sehr viel gegeben haben“, sagt Gelsenkirchens Polizeipräsidentin Anne Heselhaus-Schröer mit bewegter Stimme. Gelsenkirchens Noch-Polizeipräsidentin: Am Sonntag um 23.59 Uhr endet ihre Amtszeit. Am Montag beginnt sie ihren neuen Job im Düsseldorfer Innenministerium, dort wird sie als leitende Ministerialrätin in der Abteilung vier der Behörde tätig sein, der Abteilung also, die sich um Polizeiangelegenheiten kümmert.

Vor fast genau fünf Jahren, im Juni 2014, hatte sie die Leitung des Gelsenkirchener Polizeipräsidiums von Rüdiger von Schoenfeldt übernommen, der in den Ruhestand ging. Damals kam sie als Quereinsteigerin: Zuvor war Anne Heselhaus-Schröer als Richterin am Oberlandesgericht Hamm tätig gewesen. „Meine Kollegen haben mich damals gefragt, ob ich verrückt sei, den Posten als unabhängige Richterin aufzugeben und stattdessen politische Beamte zu werden“, erinnert sich die 55-Jährige und schmunzelt.

Doch bereut hat sie es nicht. „Die Kollegen haben es mir sehr einfach gemacht“, erinnert sie sich – und daran, dass sie sich erst einmal mit den vielen polizeiinternen Abkürzungen vertraut machen musste. „Ich habe mir damals jede Abteilung angesehen und bin überall sehr gut aufgenommen werden“, sagt sie.

Gern erinnert sie sich auch an die vielen Projekte, die sie angestoßen hat – etwa das Thema Talentscouting. Dabei geht es darum, bestgeeignete Talente für den Polizeiberuf zu entdecken, zu fördern, diese frühzeitig an die Polizei als neuen Arbeitgeber zu binden und über das Studium hinaus in den Beruf zu begleiten. „Das Talentscouting ist ein wichtiger neuer Beitrag zur Nachwuchsgewinnung“, ist Heselhaus-Schröer überzeugt – und dieses Projekt wird sie auch weiter begleiten, denn im Ministerium ist sie jetzt unter anderem auch für die Personalplanung bei der Polizei zuständig.

Aber auch auf den engen Schulterschluss mit der Stadt Gelsenkirchen, der in ihrer Amtszeit stattfand, ist die scheidende Präsidentin stolz, die „Ordnungspartnerschaft“ zwischen den beiden Behörden ist auch in ihrer Amtszeit entstanden. „Man muss miteinander ins Gespräch kommen“: Dieses Motto hatte sie ihrer Arbeit vorangestellt, sowohl intern als auch nach außen sei ihr Transparenz immer wichtig gewesen.

Ein Nachfolger für Anne Heselhaus-Schröer ist noch nicht gefunden – ab Montag übernimmt zunächst ihre Stellvertreterin Heidi Fahrenholz kommissarisch die Leitung der Gelsenkirchener Polizei.

„Es ist ein großes weinendes Auge dabei“, sagt Anne Heselhaus-Schröer über ihren Abschied. Vermissen werde sie die direkte Art der Menschen im Ruhrgebiet. Allerdings nur beruflich: Ihren Wohnsitz in Buer wird sie behalten. „Ich werde weiterhin Teil der Stadtgesellschaft bleiben“, kündigt sie an, „Propst Markus Pottbäcker beispielsweise habe ich schon mitgeteilt, dass er im Caritasrat auch weiter auf mich zählen kann.“ Dennoch: Die nächsten Wochen werden erst einmal anstrengend – nicht nur wegen der täglichen Pendelei nach Düsseldorf. Immerhin ist der nächste Urlaub schon geplant: Beim Wandern in den Alpen will sie, wie in den vergangenen Jahren auch schon, den Kopf wieder freibekommen.

Foto: Heselmann

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