Blauer Streifen sorgt für Diskussionen

Von Matthias Heselmann

Die Stadt lädt zu einem Pressetermin vor Ort, um ein neues Verkehrsprojekt vorzustellen: Normalerweise sind solche Termine, was die Teilnehmerzahl betrifft, sehr überschaubar. Ganz anders sah es am Mittwoch aus, als es um die neuen Schutzstreifen für Radfahrer auf der De-la-Chevallerie-Straße ging: Das Fernsehen war vor Ort, Bezirksverordneter Karl Henke schaute vorbei, und sogar eine Gruppe Bürger hörte sich an, was die Stadt zu der baulichen Maßnahme zu sagen hatte. Es ist offensichtlich: Das Thema schlägt hohe Wellen.

Um was geht es? Auf einem etwa 700 Meter langen Stück der De-la-Chevallerie-Straße, zwischen Hölscherstraße und Freiheit, existiert seit Mitte Juli ein sogenannter „Schutzstreifen“ für Radfahrer – in leuchtendem Blau. Er soll auf der viel befahrenen Straße für mehr Sicherheit für Radfahrer sorgen. Weil wegen der schmalen Bürgersteige auf beiden Seiten die Einrichtung eines „richtigen“ Radweges nicht möglich ist, mussten sich Radfahrer bisher die Straße mit den Autofahrern teilen. Nicht wenige Radler hatten daher die De-la-Chevallerie-Straße gemieden.

Bereits 2015 hatte die Bezirksvertretung Nord beschlossen, die Bedingungen für Radfahrer dort zu verbessern. Der Schutzstreifen soll aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, erläuterte Bettina Lenort, Leiterin des Referats Verkehr bei der Stadt. „Ich mag ihn nicht Provisorium nennen, dafür ist er zu schön und liebevoll gestaltet“, sagt sie.

Mittelfristig sei aber geplant, den Durchgangsverkehr um die Innenstadt herum über die Straßen Vom-Stein-Straße, Ostring und Nordring zu legen – dafür müssten allerdings die Kreuzungen auf dieser Strecke neu geplant werden, etwa durch die Einrichtung von Kreisverkehren. Am Ende, so die Vorstellung, soll die De-la-Chevallerie-Straße in jede Richtung nur noch einspurig befahren werden, der Schutzstreifen soll dann durch einen „richtigen“ Radweg ersetzt werden.

Bis es soweit ist, müssen sich Radfahrer und Autofahrer die Straße teilen – trotz des blauen, etwa 1,50 Meter breiten Streifens, passen immer noch zwei Autos nebeneinander auf jede Fahrbahn. Pkw zumindest: Busse und Lkw müssen die Straße einspurig nutzen.

Viele Radfahrer trauen der Sache noch nicht so recht. Karl Henke etwa, begeisterter Radfahrer, hatte die Strecke zuletzt selbst einem Test unterzogen. „Ich bin bewusst in der Mitte des Schutzstreifens geradelt und musste mir sofort aus einem geöffneten Fenster anhören, ich solle doch weiter am Straßenrand fahren“, berichtet er von seinen Erlebnissen. „Einige Fahrer übten bewusst, wie eng sie an diesem radelnden Störenfried vorbeikommen. Und das war einige Male verdammt eng“, erinnert er sich an seine Fahrt.

Auch Ole Siemienski, Vorsitzender der Buerschen Werbegemeinschaft, sei schon von vielen Kollegen angesprochen worden, die ihm erzählt hätten, wie gefährlich der Streifen für Radfahrer sein. „Vielleicht muss sich das erst noch einspielen“, hofft er.

Bettina Lenort hält die Kritik für unberechtigt. Im Vergleich zu früher seien Radfahrer nun besser geschützt – Leistungseinbußen beim Autoverkehr befürchtet sie auch nicht. „Die Planungen ermöglichen die gleiche Leistung wie zuvor“, sagt sie. Allerdings zeigten Erfahrungen aus anderen Städten, dass Schutzstreifen für eine Beruhigung des Verkehrs sorgten. „Das Verhalten der Verkehrsteilnehmer ändert sich“, sie überzeugt.

Die Farbe des Schutzstreifens sei eine bewusste Entscheidung gewesen, berichtet sie. „In der Regel sind Schutzstreifen nicht farbig gekennzeichnet, lediglich besondere Stellen wie etwa Einfahrten werden rot markiert“, sagt Bettina Lenort. Also habe man sich für Blau entschieden: „Das bietet sich in dieser Stadt natürlich an.“

Foto: Heselmann

« Vorherige Seite

Kommentare

Um Kommentare zu schreiben, bitte einloggen oder bei www.buer-total.de anmelden.