Der Ruhrpott-Poet

Mit seinem bekanntesten Buch „Zwischen Tackenberg und Rothebusch“, 1978 im Asso-Verlag in Oberhausen erschienen, setzte Josef Büscher dem Alltag der „kleinen Leute“ im Ruhrgebiet nach dem ersten Weltkrieg ein Denkmal. Er erzählte darin aus seiner eigenen Erfahrung als Kind einer Bergarbeiterfamilie in Oberhausen, wo er heute vor 100 Jahren, am 10 März 1918, geboren wurde.

Obwohl das Geld in der großen Familie knapp war, schickten ihn die Eltern auf das Gymnasium. Nach Abitur und Wehrdienst war er beim Oberbergamt als „Bergbaubeflissener“ eingetragen, konnte das Studium aber wegen des Kriegsausbruchs nicht mehr aufnehmen, nach 1945 fehlten ihm als Familienvater dann die Mittel dafür. Er arbeitete als Hauer auf den Zechen Jacobi in Oberhausen und Nordstern in Gelsenkirchen, ehe er als kaufmännischer Angestellter in die Zechenverwaltung wechselte.

Bereits 1945 begann Büscher zu schreiben und schloss sich dem Autorenkreis Ruhrmark in Hagen und der Dortmunder Gruppe 61 an. Mit seiner Literatur unterstützte er den Kampf gegen Ausbeutung und Entrechtung. Nicht nur die eigene literarische Entwicklung war ihm wichtig, sein Ziel war vielmehr, andere Arbeiter zum Schreiben anzuleiten. Sie sollten über ihr Leben in Arbeit und Alltag authentisch berichten können. Büscher verfasste sozialkritische Gedichte, Erzählungen und Theaterstücke.

Schreibschule prägte Klaus-Peter Wolf

In der Volkshochschule in Gelsenkirchen gründete er eine Schreibschule, eine damals innovative Idee. Die Dortmunder Gruppe 61 verließ er jedoch, weil er deren Anspruch, sich literarisch-künstlerisch mit der industriellen Arbeitswelt auseinanderzusetzen, nicht teilte. Die Absicht des „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ die Arbeitenden zur Herstellung von gesellschaftskritischer und sozial verbindlicher Literatur anzuleiten – so heißt es im Programm des Werkkreises –, kam seinen Vorstellungen mehr entgegen. Er arbeitete in den 1970er-Jahren in der Werkstatt Gelsenkirchen mit und gründete die Literarische Werkstatt Marl. Der ebenfalls aus Gelsenkirchen stammende Bestseller-Autor Klaus Peter Wolf („Ostfriesenfeuer“) nannte ihn einmal seinen eigentlichen Lehrer.

Nach längerer Krankheit starb er 1983 mit 65 Jahren in Gelsenkirchen. Für die Literatur der Ruhrregion bleibt er als Autor, der für Demokratisierung von Gesellschaft und Literatur eintrat, in Erinnerung.

Der Nachlass dieses Gelsenkirchener Autors, der in der Arbeiterliteratur des Ruhrgebiets eine große Rolle gespielt hat, liegt dem Stadtarchiv beim Institut für Stadtgeschichte (ISG) vor. Es hat mit dem Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt in Dortmund vereinbart, diesen Nachlass nun aufzuarbeiten und zu verzeichnen, damit auch er auch der Forschung besser zugänglich gemacht werden kann.

 Foto: ISG

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