„Ein ewiger Kampf“

Die Zahl der psychischen Erkrankungen nimmt stetig zu. Gerade in der Arbeitswelt kann das für Betroffene schwerwiegende Folgen haben. Der Integrationsfachdienst (IFD), der jetzt sein zehnjähriges Bestehen feiert, bietet psychisch erkrankten Menschen ein Stressbewältigungstraining an.

„Stress kann bei psychisch kranken Menschen schlimmstenfalls einen Rückfall in eine akute Krankheitsphase auslösen“, weiß Sozialarbeiterin Sabine Kremer vom IFD . Sie leitet das Stressbewältigungstraining. „Was haben Sie getan, damit es Ihnen gut geht?“, fragt sie zu Beginn jeder Sitzung die Teilnehmer. Kremer hört genau hin, hakt nach: „Wie geht es Ihnen damit?“ und „wie gehen Sie damit um?“

Ein gebrochenes Bein oder eine Grippe – das kennt jeder. Aber eine psychische Erkrankung? „Ich sehe gesund aus“, sagt eine Teilnehmerin. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten daher kaum Verständnis für eine psychische Erkrankung. Unverständnis und Aussagen wie „jetzt reiß Dich doch mal zusammen“ seien an der Tagesordnung und belasten noch zusätzlich. Dabei hätten gerade Menschen mit einer psychischen Erkrankung eine „geringere Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Stressoren“, so Kremer. Der vertrauensvolle Austausch unter den sechs Teilnehmern funktioniert gut in der kleinen Gruppe. Hier muss sich keiner rechtfertigen; alle haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

Die Krankheit komme in Wellen: Mal sei es schlimmer und mal weniger schlimm, sagen die Teilnehmer. Damit seien sie ein Leben lang konfrontiert. Sie müssten lernen, damit umzugehen“.

Beim Stressbewältigungstraining lernen die Teilnehmer in zwölf Sitzungen Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Bei den Sitzungen gibt es auch Hausaufgaben: Einmal galt es, Stresssymptome und eigene Frühwarnzeichen aufzuschreiben. Die Ergebnisse: Gedankenkreisen, gewaltige Schokoladenberge, Gammelkleidung – die Warnzeichen, dass ein Rückfall in die akute Krankheitsphase bevorsteht, sind vielfältig und so verschieden wie die Teilnehmer.

Doch alle, die hier sitzen, eint der Wunsch zu arbeiten: „Es gibt hier keinen, der nicht arbeiten will.“. Psychisch krank am Arbeitsplatz sei jedoch „in ewiger Kampf“mit dem Arbeitgeber und mit der Krankenkasse. Jeder wolle wissen: Wie lange noch? Das wissen die Erkrankten selbst nicht. Wenn die akute Krankheitsphase zu lange dauere, kämen zu der Erkrankung noch existenzielle Ängste hinzu, so Kremer. Auch bei bestehendem Arbeitsvertrag folgen aufs Krankengeld erst Arbeitslosengeld I und dann Hartz IV. „Und auch die Erwerbsminderungsrente ist nicht viel, da kommt nicht viel für die Altersvorsorge bei rum“, weiß sie.

Zur Info: Der IFD in Trägerschaft der Caritas arbeitet im Auftrag des LWL- Integrationsamtes Westfalen. Er berät psychisch kranke oder schwerbehinderte Menschen sowie Arbeitgeber bei Problemen am Arbeitsplatz. Außerdem bietet er chronisch psychisch kranken Menschen eine Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz an.

Foto: Dillmann

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