„Heart‘s Fear“ – Erlebte Ausgrenzung

Was tun, wenn man als Singlemutter diskriminiert und von den Behörden drangsaliert und sanktioniert wird? Für Bettina Kenter-Götte, die all das als Hartz IV-Empfängerin erlebt hat, kam nur eins in Frage: Sich durchzubeißen und sich für die Enttabuisierung der Armut einzusetzen.

In ihrem Buch „Heart’s Fear/Hartz IV – Geschichten von Armut und Ausgrenzung“ schildert sie ihre Erfahrungen. „Ich wollte die unglaublichen Geschichten erzählen und schrieb darüber, wie das Alltagsleben mit ‚Heart’s Fear‘ wirklich ist: erniedrigend, bedrohlich, bedrückend, aussichtslos, existenzgefährdend, absurd – und mitunter auch komisch“, so Bettina Kenter-Götte.

Auf Einladung des Evangelischen Industrie- und Sozialpfarramts (ISPA) im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid gibt die Autorin am Dienstag, 30. April eine szenische Lesung in der Kellerbar des Consol Theaters. ISPA und Kenter-Götte teilen die Meinung, dass Hartz IV manchmal nicht die Armut bekämpfe, sondern die Armen. „Mich beschäftigt die Thematik der Sanktionen aus kirchlicher Sicht“, sagt Industrie- und Sozialpfarrer Dieter Heisig und stellt fest: „Dieses Thema hat inzwischen eine Renaissance im politischen Diskurs erfahren. Es muss diskutiert werden, ob es einem Staat erlaubt sein darf, die Hilfen zum Lebensunterhalt unter das Existenzminimum zu kürzen.“

Kenter-Götte wurde als Schauspielerin gefeiert und als Autorin ausgezeichnet – doch leben konnte sie von ihren Einkünften nicht. Als alleinerziehende Mutter war sie auf aufstockende Sozialleistungen angewiesen. Mit ergreifenden und klaren Worten beschreibt sie die Unmenschlichkeit des bestehenden Hartz IV-Systems. Sie berichtet von ihrem Kampf gegen fehlerhafte Bescheide und das Unverständnis aus dem Freundeskreis, von ihrem Fall durch die Maschen des sozialen Netzes und vom Mut, den es erforderte, all die entwürdigenden Situationen auszuhalten. Mit der Lesung will die Autorin den Betroffenen eine Stimme und ein Gesicht geben. Das Programm bereichert Kenter-Götte durch Spielszenen aus ihrem „Hartz-Grusical“, für das sie 2011 mit dem Stuttgarter Autorenpreis ausgezeichnet wurde. Eindringlich und pointiert spiegeln die kleinen Szenen die Komik der Tragik des Hartz IV-Alltags zwischen Jobcenter-Warteschleife, Antragsdschungel und Motivationstraining wieder.

Bettina Kenter-Götte liest aus ihrem Buch „Heart’s Fear/Hartz IV – Geschichten von Armut und Ausgrenzung“ am Dienstag, 30. April, um 20 Uhr im Consol Theater, Bismarckstraße 240 in Gelsenkirchen. Der Eintritt ist frei – Spenden für die Erwerbslosenarbeit sind möglich.

Foto: Privat

 

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