4000 Schwimmflügel gegen das Ertrinken

Innerhalb eines halben Jahres sind in Gelsenkirchener Bädern zwei Kinder ertrunken: Im Januar starb ein fünfjähriges Mädchen im Zentralbad, am 10. Juni kam im Sportparadies ein zweijähriger Junge ums Leben. Beide Kinder waren syrischer Herkunft. Jetzt haben die Verantwortlichen reagiert: Unter anderem gilt ab sofort eine Schwimmflügelpflicht für Kinder, die nicht schwimmen können.

Am Freitag stellten Stadtwerke-Geschäftsführer Ulrich Köllmann (die Stadtwerke sind Betreiber der Bäder) und Sportparadies-Betriebsleiter Frank Hansch ihre neue Kampagne zum Thema „Sicher schwimmen!“ vor. Ein Katalog von Maßnahmen soll dazu führen, dass das Schwimmen in Gelsenkirchen sicherer wird.

Dass diese Kampagne nötig ist, hat auch mit dem Zuzug von geflüchteten Menschen zu tun. Dass die beiden ertrunkenen Kinder syrischer Herkunft sind, sei kein Zufall: „Wir haben es immer mehr mit Menschen zu tun, die ein völlig anderes Verhältnis zum Wasser und zum Schwimmen haben, als wir es kennen“, konstatiert Köllmann.

„Bereits nach dem ersten Vorfall im Januar im Zentralbad haben wir Maßnahmen ergriffen, um unsere Gäste für das Thema Sicherheit zu sensibilisieren“, so Köllmann weiter. Mit persönlichen Gesprächen am Beckenrand und entsprechenden Hinweisen zum kostenlosen Verleih von Schwimmflügeln haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Besucher und Besucherinnen mit kleinen Kindern über die Gefahren aufgeklärt. „Wir haben Schilder in fünf Sprachen an unseren Kassen aufgestellt, die darauf hinweisen, dass Kinder Schwimmflügel tragen sollten. Leider mussten wir nun schmerzlich feststellen, dass es trotz dieser Maßnahmen erneut zum Unfalltod eines kleinen Kindes gekommen ist, das nicht schwimmen konnte“, bedauert Köllmann

Um Eltern und verantwortliche Begleitpersonen weiterhin verstärkt auf das wichtige Thema Kindersicherheit beim Besuch von Schwimmbädern aufmerksam zu machen, wurde jetzt die Kampagne „Sicher schwimmen!“ gestartet. Im Fokus steht das Tragen von Schwimmflügeln bei Nichtschwimmern während des gesamten Schwimmbadbesuchs. „Für alle Kinder, die nicht schwimmen können, gilt ab sofort Schwimmflügelpflicht! Wir haben 4.000 Schwimmflügel bestellt und werden diese in den nächsten Wochen in den Bädern verteilen“, erklärte Betriebsleiter Frank Hansch. Alle Kinder, die kleiner als 1,30 Meter sind und nicht schwimmen können, erhalten an der Kasse ab sofort kostenlos Schwimmflügel. Danach können Schwimmflügel – wie zuvor auch – kostenlos an den Kassen ausgeliehen werden. Diese Regelung gilt nicht nur für das Sport-Paradies, sondern auch für das Hallenbad Buer, das Zentralbad sowie das Hallenbad Horst und das Freibad Jahnplatz.

Neue Plakate und Hinweisschilder weisen in mehreren Sprachen (Deutsch, Englisch, Albanisch, Arabisch, Rumänisch, Bulgarisch und Türkisch) auf die Schwimmflügelpflicht hin. Neben der Aufforderung, allen Kindern Schwimmflügel anzuziehen, wird auf den Schildern auch verstärkt auf die Aufsichtspflicht der Eltern und Begleitpersonen aufmerksam gemacht.

„Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Wir übernehmen nicht die Aufsichtspflicht für jedes Kind im Bad“, betonte Ulrich Köllmann. Die Aufsichtspflicht liege bei den Eltern beziehungsweise bei den erwachsenen Begleitpersonen der Minderjährigen, Vor allem Smartphones seien mittlerweile zu einem großen Problem geworden: Eltern und andere Begleitpersonen schauen immer öfter auf ihr Handy anstatt auf ihre Kinder zu achten. Auch darauf wird durch Aufkleber und Flyer hingewiesen.

Foto: Heselmann

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