Nichts auf der Agenda bei Eckenga

von René Preuss

Gelsenkirchen. Auch 2014 setzt der heimische Veranstalter Emschertainment wieder auf Humor - sei es der derberen, aber auch der feinstichelig subtilen Art. Schon im ersten Jahresdrittel gibt es einige Höhepunkte. Und eine große Portion Magie und künstlerische Interpretation.

Die spielt gleich bei „Psycho: Eine musikalische Lesung" mit Matthias Brandt (Foto) am 19. Januar im Musiktheater im Revier eine große Rolle. „In Psycho habe ich das Publikum geführt, als ob ich auf einer Orgel gespielt hätte", sagte Alfred Hitchcock im Gespräch mit seinem Bewunderer François Truffaut.
Hitchcock hat „Psycho" als Experimentalfilm verstanden, der beim Publikum eine eindrückliche Wirkung zeitigen sollte. Schauspieler Matthias Brandt interpretiert dieses filmische Jahrhundertwerk nun gemeinsam mit dem Pianisten und Sänger Jens Thomas neu auf der Bühne. Brandt greift dabei auf die literarische Vorlage zu „Psycho" von Robert Bloch zurück. Thomas improvisiert zu Brandts inszenierter Lesung einen Soundtrack.
Dieser Abend ist nicht festgelegt und routiniert, vielmehr lebt er von der intensiven, spontanen Interaktion zwischen beiden Akteuren. 

HG.Butzko, am 25. Januar mit „Herrschaftszeiten" zu Gast in der Kaue, hat ein klares Selbstverständnis: Seine Programme sind die tollsten, die man je gesehen hat.
Und nach seiner ausverkauften Tournee durch Deutschlands Fußballstadien macht er jetzt einen Abstecher nach Gelsenkirchen! Und Butzko wäre nicht Butzko, wenn er sich nicht so seine ganz eigenen Gedanken gemacht hätte. Denn fragen Sie sich nicht auch seit einiger Zeit: Was ist denn eigentlich hier los? Und in der Tat, diese Frage ist berechtigt. HG.Butzko: „Ich mache seit 1997 satirisches Kabarett, und inzwischen denk ich mir: Wenn du dich mit den Mächtigen beschäftigen willst, wieso hältst du dich mit Politikern auf?'' Und noch eine Erkenntnis gilt es zu verbreiten: Alle Gewalt geht dem Volke aus!

Fritz Eckenga, am 1. Februar in der Kaue, garantiert, dass die Besucher mit der Eintrittskarte das Recht erwerben, von der Konfrontation mit topmodernem Sprachunrat verschont zu werden. In „Von vorn" wird von vorn gesprochen und nicht nachhaltig kommuniziert. Der vortragende Künstler ist mit Freude bei der Sache, keinesfalls aber brutal motiviert.
Bei ihm steht nichts auf der Agenda. Stattdessen wird er ein Programm haben, das mit Sinn und Verstand aufgeführt wird, nicht jedoch mit Emotion pur. Und weil Geiz nach wie vor hässlich macht, legt Eckenga aus eigenem Interesse Wert darauf, seine Talente möglichst verschwenderisch zu präsentieren.

Wilfried Schmickler, am 4. Februar im Musiktheater zu Gast, ist der „Scharfrichter unter den deutschen Kabarettisten", seine satirisch brillante Analyse der bundesdeutschen Wirklichkeit weist ihn als kompromisslosen Moralisten aus.
Seine Opfer sind immer Täter. Allemal die Großen in Wirtschaft und Politik, Kirche und Medien. Auch die Kleinen, vor allem die Kleinen im Geiste. Und wenn man ihn fragt, wie lange die alle noch so weitermachen dürfen, sagt er: „Ich weiß es doch auch nicht".
Und da isse wieder: Sie ist nicht eine Frau, sondern DIE Frau. La Signora. Diseuse. Direkteuse. Dompteuse. Mit Dutt und Denkerstirn revolutioniert Carmela de Feo auch in ihrem dritten Bühnenprogramm wieder gängige Auffassungen weiblicher Erotik. Und liefert dazu mondäne Gags im Akkord - am 7. Februar in der Kaue.

„Untertitel bitte ankreuzen (Je nach Zielgruppe und Altersdurchschnitt): Die hohe Kunst der Rhetorik;
Ein lustiger Lese-Spaß für die kleinen Halunken; Ein didaktisch-pädagogischer Abend für die ganze Familie; Titten, Techno, Tretboot fahren. - So lautet die Aufforderung, wenn Patrick Salmen am 15. Februar in der Kaue auftritt. Ein Mann, ein Bart, eine Axt. Nach „Euphorie! Euphorie!" nun das zweite Solo-Programm von Patrick Salmen - ein Geschichtenerzähler vom Feinsten mit wundervoller sonorer Hörbuchstimme. Das vermenschlichte Partyhütchen ist zurück auf den Welten, die ein Brett bedeuten.
Die Zeiten sind hart, gemein und trist - deshalb setzt René Steinberg am 21. Februar in der Kaue zum Gegenzug an. Denn was nützt das Jammern, Schimpfen und Zetern, wenn man sich über die verrückten Zeiten lustig machen kann. So dreht Steinberg auf und zeigt mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, wie absurd die Welt heute ist. Ohne Zeigefinger, aber mit schelmischem Spaß an der Satire, entblößt er die Beklopptheiten, die Widersprüche und Albernheiten in Politik, Kultur und Gesellschaft: Wer lacht, zeigt Zähne!

„Absolutely magisch" - Die Ehrlich Brothers sind wieder auf Tour - und am 20. März in der Emscher-Lippe-Halle. Ihre Tricks sind sensationell, der technische Aufwand atemberaubend, Zuschauer von sechs bis 99 Jahren ziehen die charmanten Zauberer in ihren Bann. Die Ehrlich Brothers haben die alte Kunst der Magie in ein neues Zeitalter geführt. Mit im Programm sind brandneue Illusionen, die die smarten Brüder als Weltpremiere auf dieser Tournee aufführen werden. Ihre neueste Sensation: Aus einem iPad fahren sie mit einem 300 Kilogramm schweren, echten Motorrad heraus.

FOTO: Brandt 

 

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