PSV: Zum Abschied fließen die Tränen

Von Frank Leszinski

Wer den Gelsenkirchener Amateursport heute mit dem vor 30 Jahren vergleicht, kommt um eine bittere Erkenntnis nicht herum: Mit dem Leistungsniveau und der Vielfalt der Sportarten ist es rapide bergab gegangen. Jetzt hat es wieder eine Abteilung erwischt, die jahrzehntelang eine sehr gute Adresse weit über die Stadtgrenzen hinaus war: Die Handball-Abteilung des Polizei-SV Gelsenkirchen hat ihre Pforten geschlossen.

Mit zwei Personen, die jahrzehntelang mit hohem ehrenamtlichen Engagement für „ihren“ PSV gearbeitet haben, sitze ich Anfang der Woche zusammen und lasse eine Entwicklung Revue passieren, die einfach nur als traurig zu bezeichnen ist. Doch die Gefühlswelt von Josef Helwig (74), der unter anderem 25 Jahre an der Spitze der Handball-Abteilung stand, und Hans-Jürgen („Spüli“) Mühlenbrock (69), der 45 Jahre (!) als Geschäftsführer amtierte, ist auch ein bisschen geprägt von Erleichterung.

Denn vor allem in den letzten Jahren war die Vereinsarbeit mehr Last als Lust. Die Zahl der PSV-Mannschaften und der Spieler wurde Saison für Saison immer geringer. „Wir haben oft regelrecht gebettelt, damit unsere Spieler wenigstens zu den Meisterschaftspartien kommen“, schildern Helwig und Mühlenbrock ihre Nöte. Teilweise empfanden beide PSV-Urgesteine den Auftritt des eigenen Teams schon als lächerlich. Denn oft trat der PSV in der vergangenen Saison nur mit sechs oder sieben Spielern an, wobei die meisten schon deutlich über 30 Jahre alt waren.

„In einem Spiel hat sich der 60-Jährige Axel Kretschmann eine Rippe gebrochen und der 56-Jährige Volker Dalian eine Muskelverletzung zugezogen. Einfach fürchterlich“, erinnert sich Mühlenbrock, als wieder einmal Spieler ihre Zusagen nicht einhielten. Ein geregeltes Training: schon lange nicht mehr möglich. Bis in die 2. Kreisklasse waren die „Polizisten“ sportlich durchgereicht worden, obwohl die Clubspitze immer viel Wert auf einen hohen Wohlfühlfaktor in ihrer Abteilung legte. Doch der Negativtrend war nicht aufzuhalten, was in Gelsenkirchen im Handball kein Einzelfall ist.

Nahmen in den 1980er-Jahren noch 17 Vereine am Spielbetrieb teil, so sind es ab der kommenden Saison nur noch vier: Schalke 04, TB Beckhausen, CVJM Gelsenkirchen und SW Gelsenkirchen-Süd. Da blutet einem „Handball-Verrückten“ wie Hans-Jürgen Mühlenbrock das Herz, wenn er an die großen sportlichen Erfolge der Vergangenheit zurückdenkt. Als „sein“ PSV 1971 und 2001 zweimal den Aufstieg in die Verbandsliga schaffte und er vor Begeisterung den Hallenboden küsste, als der PSV 1981 völlig überraschend in Linnich Deutscher Handball-Meister der Polizeisportvereine wurde, als das Vereinsleben noch intakt war und 26 Spieler bei einer Saisonabschlussfahrt in Izmir dabei waren, als der Traditionsverein noch drei Senioren- und drei Jugendmannschaften melden konnte.

„Wir haben damals einfach gemacht. In der heutigen Zeit gibt es zu viele Bedenkenträger, die viel versprechen, aber wenig halten“, betont der 69-Jährige, der 1956 dem PSV beitrat und erst als Spieler, aber dann noch mehr als Funktionär für seine Abteilung unentbehrlich wurde. Für keine Arbeit war sich der PSV-Geschäftsführer zu schade. Das „PSV-Jahrbuch“, das Mühlenbrock Saison für Saison jedem Spieler überreichte, war zum Beispiel ein Klassiker seines unermüdlichen Arbeitseinsatzes.

Als „Spüli“ nach knapp 30 Jahren mal den für PSV-Verhältnisse revolutionären Plan fasste, den Club zu verlassen und Manager bei den Fußballern der SSV Buer zu werden, war die Aufregung groß. Schon damals fühlte sich Mühlenbrock allein gelassen mit der Arbeit, bis auf den Vorsitz hat er beim PSV quasi jede Funktion schon einmal inne gehabt. Doch er konnte seinen Wechselgedanken abgebracht werden, zur großen Erleichterung der PSV-Vereinsfamilie, die in Spitzenzeiten rund 100 Mitglieder umfasste.

Doch das ist jetzt Vergangenheit. Aber natürlich werden sich Helwig und Mühlenbrock weiterhin Handballspiele ansehen. In Schalke, in Gladbeck, aber nicht mehr bei „ihrem“ PSV. Der absolvierte Anfang Mai sein letztes Heimspiel und gewann sogar mit 28:25 gegen den Tabellenzweiten VfL Bochum II. Danach verdrückten Spieler und Funktionäre ein Paar Tränen.

Foto: Heselmann

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