Satte Sakralrhythmen

Weil gute Musik die Menschen in die Kirchen lockt, hat das Bistum Essen zwei Pop-Kantoren-Stellen eingerichtet. Junge Musik im Gottesdienst: Das ist eines von 20 Projekten im Zukunftsbildprozess des Ruhrbistums.

Neue Töne an Gleis X: Zur ersten gemeinsamen Probe mit dem Chor „Lautsprecher“ haben die beiden neu im Bistum Essen gestarteten Pop-Kantoren eine Profi-Band mit in die Jugendkirche am Hauptbahnhof gebracht. Markus Galla und Chris Hees, beide Mitte 40, wollen den jungen Erwachsenen des Chors zeigen, was noch alles drin ist an Pop- und Rockmusik in der Kirche.

Beide sind studierte Musiker und Musiklehrer, die selbst „alles spielen, was Tasten und Saiten hat“. Galla wird vor allem an der Jugendkirche Gleis X in eingesetzt, Hees soll im gesamten Ruhrbistum im Einsatz sein und bei Workshops und in Gottesdiensten Chören und Bands der Kirchengemeinden christliche Popmusik nahe bringen. Natürlich sei es auch toll und erhebend, im Klangraum einer großen Kirche zur Orgel zu singen, sagt Chris Hees: „Aber wir wollen ja nicht nur die Klassik-Fans erreichen, sondern auch die, die moderne, emotionale Musik mögen.“

Und so macht der „Lautsprecher“-Chor der Jugendkirche an diesem Abend die Probe aufs Exempel. Die 20 Sängerinnen und Sänger haben bisher vorwiegend neues geistliches Liedgut zur Klavierbegleitung gesungen. Schlagzeuger Stefan gibt nun – bäng, bäbäng, bäbäng – einen satten Rhythmus vor, dann setzen Robert an der E-Gitarre, Chris am Bass, Markus am Keyboard und Bianca als Leadsängerin ein und füllen den ganzen Kirchenraum mit Musik. Da steigt auch der Chor ganz anders ein: Mit Kraft in der Bruststimme, Swingen und Klatschen lassen die Sänger sich von der Band mittragen.

„Die Hände müssen frei sein, keine Noten halten“, sagt Markus Galla, „dann macht auch die Gemeinde vom Kind bis zu den Großeltern mit.“ Wenn man so Gottesdienst feiere, habe das auch Einfluss auf den Kirchenraum. „Da kann man zum Beispiel die Bänke entfernen und Platz schaffen für Bewegung.“

Der Musikstil, den die Pop-Kantoren in der katholischen Kirche etablieren möchten, heißt „Praise and Worship“ (Lob und Anbetung). Diese Form christlicher Popmusik, die ursprünglich aus der australischen „Hill Song Church“ stammt, hat sich in Deutschland seit rund 30 Jahren vor allem in den Freikirchen, aber auch überkonfessionell in der charismatischen Bewegung verbreitet. Mit dem in der katholischen Kirche seit 50 Jahren populären „Sacro-Pop“ hat Worship-Musik nur am Rande zu tun. „Das Beste der Popmusik, gemischt mit Gospel und Latin“, beschreibt Markus Galla den Worship-Stil.

Stefan Glaser, bischöflicher Beauftragter für Kirchenmusik, freut sich, dass mit „Praise and Worship“ eine weitere musikalische Stilistik der Kirchenmusik im Ruhrbistum Einzug finde: „Damit erweitert sich das bisher schon sehr vielfältige Angebot um eine weitere Facette, die sehr emotionale und stark vom christlichen Glauben geprägt ist und viele, insbesondere junge Menschen begeistert“, sagt er.

Wer die Pop-Kantoren in die eigene Gemeinde einladen will, wendet sich an Stefan Glaser, der die Aufgaben nach Profil und Einsatzbereich verteilt. Das kann ein zweitägiger Workshop für Musiker und Sänger einer Pfarrei sein, ein besonderer Gottesdienst oder auch ein Band-Coaching: „Da sehen wir uns die Proben und das Repertoire der Pfarrei-Band an und gucken, wie man das ergänzen kann“, sagt Chris Hees.

Absolut glücklich sei er mit seiner neuen Aufgabe: „Zehn Jahre habe ich für diesen Job gebetet. Es gibt aufregend viele Ressourcen in der katholischen Kirche.“

Foto: Bistum Essen/Simon Wiggen

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