„Vorm Spiel is inne Kirche“

Es war 1959 und nicht zufällig nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft für den FC Schalke 04, als die katholische St.-Joseph-Kirche an der Kurt-Schumacher-Straße ein besonderes Fenster installierte. Das farbenfrohe Glasmosaik zeigt den Heiligen Aloisius – als Schutzpatron der Jugend schien er besonders geeignet, auch eine Verbindung zur Schalker Fußballjugend zu ermöglichen. Das besondere an dem Fenster, das der Gelsenkirchener Künstler Walter Klocke gestaltete: Der blau-weiße Fußball, die Fußballschuhe und die blau-weißen Stutzen. Es ist ein Markenzeichen der Kirche.

Und der „sportliche“ Heilige besitzt nach wie vor Anziehungskraft für viele Schalke-Fans, besonders vor Heimspielen des FC Schalke 04. Dann sind schon Stunden vor dem Anpfiff viele Menschen in Fankleidung rund um die Haltestellen an der Pfarrkirche, die zum Stadion führen, anzutreffen. Bei schönem Wetter gehen sie ein Stück durch die Schalker Straße, die Teil der „Deutschen Fußball-Route NRW“ ist.

Lange Zeit aber war es so: „Menschen sind unterwegs, stehen vor der Kirche mit einem einzigartigen Fußballfenster – und sie ist zu“, berichtet Gemeindereferentin Christiane Rother. Vor fünf Jahren reagierte die Gemeinde, seit der Saison 2013/14 ist die Pfarrkirche an Heimspieltagen geöffnet. Das Motto: „Vorm Spiel is inne Kirche.“

Und aus „Kirche ist offen“ ist mittlerweile eine „Pilgerstätte“ für Fußballfans geworden. „Neben Stammgästen kommen Menschen aus ganz Deutschland, Europa und hin und wieder aus anderen Kontinenten in die offene Kirche sowie Fans der Gastvereine. Dem Team ist wichtig, dass sie mit ihrem Angebot dynamisch bleiben, es anpassen, und sich mit anderen vernetzten“, berichtet Rother.

Pünktlich zum Derby feiert die Offene Kirche Schalke am Sonntag, 15. April, ihren Geburtstag. Das ehrenamtliche Team der Offenen Kirche Schalke bereitet am Sonntag ab 9 Uhr alles für die Fans von nah und fern vor: die Kirche wird von außen wieder sichtbar für alle blau-weiß geflaggt, Poller und Bäume werden blau-weiß geschmückt, Kaffee und ein Imbiss für die Geburtstagsfeier vorbereitet. Ab 10 Uhr werden die ersten Besucher erwartet.

Den Festgottesdienst um 11 Uhr feiert das Team mit angereisten Fans – und den Christen vor Ort. „Bis etwa eine halbe Stunde vor Anstoß bleibt die Kirche geöffnet. Dann machen sich auch die Teammitglieder auf, das Fußballspiel zu verfolgen“, sagt Rother. Auf Wunsch steht das Team für eine kleine Kirchenführung bereit, genauso für Gespräche rund um den Fußball, Gott und die Welt. Eine Seelsorgerin und ein Seelsorger unterstützen das Team. Auch die menschlichen Bedürfnisse werden ernst genommen: „Eine kostenlose Toilette, eine Tasse Kaffee können Anlass sein, nach Jahren wieder eine Kirche zu betreten“, berichtet Rother.

Und auch das. „Blau-weiße Kerzen liegen bereit, denn eine Kerze anzünden, verbunden mit einem Gebetsanliegen, ist für Christen ein Alltagsritual. Das Ritual wird von Fans verstanden und gerne angenommen“, erzählt die Schalker Gemeindereferentin.

Foto: Privat

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