Walcker-Orgel zieht nach Papenburg

Mit großer Mehrheit hat der Rat der Stadt Gelsenkirchen in seiner Sitzung am Donnerstagnachmittag dem Verkauf der ehemals im Hans-Sachs-Haus installierten Walcker-Orgel zugestimmt.

Wie bereits Mitte April angekündigt, kann das renommierte Instrument damit voraussichtlich ab Anfang 2019 in der katholischen Kirche St. Antonius in Papenburg erklingen. Die historische Konzertorgel wird dabei eingebunden in die „europäische Orgelstraße“ von Schwerin über Bremen, Verden und Emden bis in die Niederlande, kommt aber auch bei Gottesdiensten und in der Organisten-Ausbildung zum Einsatz.

Vor zehn Jahren wurde die Orgel auf der Basis der Walcker-Originalpläne durch die Orgelbaufirma Seifert (Kevelaer) fachkundig restauriert und der Spieltisch auf den neuesten technischen Stand gebracht. Doch ein Wiederaufbau in Gelsenkirchen war räumlich nicht mehr möglich.

Die Stadt Gelsenkirchen verkauft die Walcker-Orgel nun zu einem symbolischen Preis von einem Euro mit Eigentumsübergang zum 1. Januar 2056, die Pfarrei trägt alle Kosten für Um- und Einbau, die auf ca. eine Million Euro geschätzt werden.

Schon bei ihrem Entstehen im Jahr 1927 gehörte die Walcker-Orgel in vieler Hinsicht, neben den Orgeln in der Reinholdi-Kirche in Dortmund und St. Michaelis in Hamburg, zu den wichtigsten Orgeln ihrer Zeit in Deutschland. Damals, als die sogenannte Orgelbewegung die Orgel wieder als Instrument mit eigener Identität entdeckt und die Musik des Barock erneut ins Bewusstsein gerückt hatte, wurde sie von einer der angesehensten und innovativsten Orgelbaufirmen Deutschlands – E. F. Walcker & Cie. – entwickelt.

Sowohl ihre wohl abgestimmten Disposition, ihre Größe als auch ihre räumliche Situation ließen die Kritiker schon damals von einer „Wunderorgel“ reden. So war sie in das – zur damaligen Zeit – modernste und innovativste Verwaltungs- und Kulturgebäude des Deutschen Reiches mit einem speziell für diese Orgel gebauten Konzertsaal eingepasst, in dem sie als Soloinstrument wie als Begleitinstrument für Chor und Orchester dienen konnte. Und mit ihrem fahrbaren Spieltisch bot sie den Organisten die einmalige Möglichkeit, coram publico vor 1600 Zuhörern zu spielen.

Heute ist die Orgel aus dem Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen die einzige Walcker-Orgel aus der Weimarer Republik mit dieser Größe in Deutschland, die die Zeiten überstanden hat und gleichzeitig wohl die größte Konzertsaalorgel Deutschlands.

Foto: Stadt GE

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